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Ausweglose Lage?
sole
Hallo zusammen!

Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier im richtigen Thread bin, falls es der falsche ist, bitte ich darum ihn zu verschieben.
Ich weiß nicht mehr weiter und brauche daher die Hilfe von Menschen, die sich mit dem Thema Angehörige von mit Schizophrenie Erkrankten auskennen.

Mein Freund, mit dem ich bereits seit mehreren Jahren zusammen bin, hat mir vor kurzem eröffnet, dass seine Schwester bereits seit längerer Zeit an Schizophrenie erkrankt ist. Er hat mir aus Rücksicht auf seine Schwester, die nicht wollte, dass außenstehende Menschen davon etwas mitbekommen, nichts erzählt.
Nachdem er mir die gesamte Geschichte nunmehr erzählt hatte, beantworteten sich für mich auf einmal viele Fragen wie von selbst.
Aber hier ist mein Problem: Ich vermute, dass mein Freund große Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Schwester hat. Er sagt, dass er am liebsten die ganze Zeit (da die Familie in einem Mehrfamilienmietshaus wohnt) zuhause bleiben würde, falls etwas passiert. Ich muss dazu sagen, dass wir seit jeher eine Fernbeziehung führen, da sowohl er als auch ich beruflich in unterschiedlichen Städten arbeiten. Ich habe nie verstanden, weshalb er immer so zurückhaltend war, wenn es darum ging zu mir zu fahren oder die Ferien irgendwo im Ausland zu verbrinen.
Ich habe die Befürchtung, dass er sein eigenes Leben vollständig in den Hintergrund stellt aus Schuldgefühlen zu seiner Schwester.
Diese Schuldgefühle resultieren daraus, dass seine Schwester sich beim kindlichen Herumtollen mit ihm mit heißem Wasser verbrüht hat und schwere Verbrennungen davon getragen hat. Ich vermute bzw. das hat er auch irgendwie bereits angedeutet, dass wenn er nicht mit ihr so herumgetollt wäre, dass alles in eine andere Richtung gelaufen wäre und sie vermutlich auch nicht an Schizophrenie erkrankt wäre.
Ich möchte meine Beziehung zu ihm nicht beenden, denn ich liebe ihn wirklich und würde gerne den Rest meines Lebens mit ihm verbringen. Ich will ihm aber auch nicht die Pistole auf die Brust setzen, dass er sich entscheiden muss.
Ich bin wirklich ratlos, wie ich mich nun verhalten soll. Ich habe versucht ihn sanft darauf anzusprechen, dass es vielleicht nicht schlecht wäre für ihn mal mit jemand Außenstehendem zu reden, sprich Psychologe etc.. Er kann doch nicht sein gesamtes Leben aufgeben (Hochzeit, Kinder etc.), weil er glaubt das er dies seiner Schwester schuldig ist.
Da er aber nicht daran glaubt, dass ein Außenstehender irgendetwas bewirken kann und er jemand ist, der glaubt seine Probleme (wenn er es als solches erkennt) selbst lösen zu können, weiß ich einfach nicht mehr weiter.

Danke für ein offenes Ohr und vielleicht auch den einen oder anderen Ratschlag.
 
Andreas
Hallo Sole,

der Unfall resultierte noch aus der Kindheit deines Freundes und seiner Schwester. Wenn Kinder spielen, passieren viele Dinge die unbeabsichtigt sind, bzw. waren. Dass die Schwester deines Freundes an einer Schizophrenie erkrankt ist, resultiert definitiv nicht allein aus diesem Unfall. Für das Ausbrecher einer Schizophrenie gibt es sehr viele verschiedene Ursachen, die ungünstig zusammenspielen. Zum Einen sind es wohl auch genetische Dispositionen, aber halt auch soziale Umstände die den Ausbruch einer Schizophrenie begünstigen. Vielleicht ist auch, bevor die Schizophrenie bei der Schwester deines Freundes ausbrach, eine nahestehende Person seiner Schwester verstorben oder sie hat sich von Ihrem Partner getrennt. Meistens spielt eine sehr bedeutende Veränderung im Leben eines Menschen eine große Rolle beim Ausbruch einer Schizophrenie. Eine andere Ursache kann aber auch der Konsum von Rauschmitteln sein, aber auch eine traumatische Gewalterfahrung im Kindes- bzw. Jugendalter.

Vielleicht solltest du deinen Freund dazu bringen sich mal über diverse Lebensumstände seiner Schwester zu informieren oder aber Gedanken darüber zu machen.
Meiner Meinung nach trägt dein Freund, aufgrund des Unfalls im Kindesalter, definitiv keine Verantwortung für den Ausbruch der Schizophrenie bei seiner Schwester.
Ganz wichtig ist auch, zu versuchen ihm klarzumachen, dass es sich bei dem Vorkommnis im Kindesalter um einen Unfall handelte, wofür er nichts kann. Er war damals noch ein Kind, ebenso wie seine Schwester. Wenn Kinder spielen, passieren manchmal Dinge, die nicht schön sind und Folgen haben. Kinder können Folgen nicht absehen, dafür fehlt ihnen ganz einfach die Erfahrung und dafür sind sie halt Kinder.

Wenn dein Freund keine externe Unterstützung in Anspruch nehmen möchte, du ihn aber auch nicht verlieren möchtest, solltest du so oft wie möglich mit ihm darüber reden und versuchen, ihm deinen Standpunkt zu verdeutlichen. Dies aber auch ruhig und sachlich.

Ich denke, dein Freund ist ein recht sensibler Mensch der sich sehr viele Sorgen um seine Schwester macht. Vielleicht ist ihm auch schon eine Angehörigengruppe eine Hilfe, wo er sich äußern kann. Es gibt einen Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. ( www.bapk.de ). Dieser Bundesverband ist aufgegliedert in einzelne Landesverbände, welche in den einzelnen Bundesländern Gesprächsgruppen für Angehörige psychisch Kranker organisieren. Diese Gesprächsgruppen finden regelmäßig statt. Die Kontaktinformationen sind auf der Web-Seite des Bundesverbandes nachzulesen ( www.bapk.de ).

Ich hoffe ich konnte dir schon etwas weiterhelfen.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
sole
Danke für die schnelle Antwort und die Vorschläge. Werde mir die Internetseite auf jeden Fall ansehen.

Es ist keine leichte Situation, aber ich bin momentan auch froh es zu wissen, da sich nun viele Puzzleteile aus der Vergangenheit sinnvoll zusammenführen lassen, die zuvor für sich allein keinen Sinn ergeben haben.

Ich bin wirklich dankbar, mich mit jemandem austauschen zu können und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er vielleicht doch einmal mit jemandem spricht, der die notwendigen Kenntnisse hat. Ich habe erst heute mit ihm darüber gesprochen und ihm vor Augen gehalten, dass sein und auch das Verhalten seiner Eltern in den letzten Jahren nicht wirklich dazu beigetragen haben eine (signifikante) Besserung hervorzurufen. Ich habe versucht ihm durch die Blume hindurch zu sagen, dass es daher eventuell nötig sein könnte, sein eigenes Verhalten einmal zu überdenken. Auch habe ich ihm versucht zu vermitteln, dass ihn keine Schuld an dem Unfall trifft, da bin ich ganz deiner Meinung. Es war ein Unfall - es war ja nicht so, dass er absichtlich das heiße Wasser über ihr ausgegossen hat. Es ist eine komplexe Krankheit, die man bis heute noch nicht vollständig erklären kann (so zumindest mein Eindruck) und ich kann nur erahnen wie schwierig es ist als Angehöriger mit einer solchen Situation zurecht zu kommen. Ich bin normalerweise ein sehr direkter Mensch, merke jedoch auch, dass ich in diesem Fall auf diese Art nicht weiterkommen werde und vielleicht mehr kaputt mache, als ich eventuell Anregungen zur positiven Verstärkung geben könnte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht kann ich ihn dazu bewegen einmal selbst ein Auge auf diese Site zu werfen.

Noch einmal DANKE
 
Nase im Wind
sole schrieb:

Ich bin wirklich dankbar, mich mit jemandem austauschen zu können und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er vielleicht doch einmal mit jemandem spricht, der die notwendigen Kenntnisse hat.

Ich bin normalerweise ein sehr direkter Mensch, merke jedoch auch, dass ich in diesem Fall auf diese Art nicht weiterkommen werde und vielleicht mehr kaputt mache, als ich eventuell Anregungen zur positiven Verstärkung geben könnte.

Noch einmal DANKE


Hallo sole
Ich bin mal wieder ganz direkt.
Dein Freund hat kein Altagsproblem das man üblicherweise nach geraumer Zeit, ohne weiteres selbst löst.

Puu, jegliche Art von Gründen sind hier angeführt worden, Das alles und noch viel mehr käme in Betracht. Nicht mal der klügst Mensch oder die Wissenschaft könnte einen Zusammenhang zum Unfall mit Folge einer Schizophrenie bestätigen.
Wenn wegen Schuldgefühlen die Lebensqualität und die eigene Zukunft auf dem Spiel steht, ist Klarheit in der Sache finden unumgänglich.
Der Zahnarzt kennt sich mit den Zähnen aus - der Psychologe mit der Psyche.
Was sollte gegen fachliche Beratung u. Unterstüzung zu sagen sein?

Wenigstens Gespräche mit einem Psychologen würde ich in dieser Situation sicher führen, falls eine Therapiegespräche erforderlich würden hätte ich kein Problem damit. man muss es nicht jedem auf die nase binden. Der Psychologe ist in seinem Fach der Richtige (komplizierte Technik bringe ich ja auch zu einer Fachperson anstatt selbst dran zugehen.
Nur weil ich zum psychologen gehe habe ich nichts am Kopf, wie man so sagen würde unter Unwissenden.


Wenn einer meiner Geschwister in einer solchen Erkrankung steckte, würde ich mich auch kümmern, aber als einer von mehreren, und niemals aus Schuld oder Verpflichtung. dabei habe ich dann jedoch "auch mein eigenes Leben" im Blick.
Wenn dein Freund sich aufopfert, ist es "sehr wahrscheinlich" das ihm früher oder später die Kräfte verlassen, er selbst die Unterstüzung braucht die jetzt der richtige Zeitpunkt wäre in Anspruch zu nehmen.

Sehr wichtiger Punkt;
Schuldgefühle die das eigene Leben auf den Kopf stellen entbären jeglicher Grundlage zur Rechtfertigung für ein Handeln. Schuldgefühle in sich tragen ist OK (wenns eben drinn steckt) solange sie das eigene Leben nicht bestimmen.
Seiner Schwester hilft dein Freund, aus Schuldgefühl (oder aus Schuld, nach seinem Glauben an damals) kein bisschen.

Es kommt nicht darauf an aus übermäßiges Mitleid oder vielleicht aus Selbstmitleid (verschwimmt oft) sich selbst und jemanden Anderen zu erstickem mit seiner Sorge. Vielmehr, dann da zu sein wenns wirklich mal unbedingt notwendig ist.
Unterstützen anstatt einlullen bis derjenige "ganz und gar" abhängig von Außen ist.


Verständnis hätte ich für Jeden der viel Zeit und Aufwand betriebe um einen anderen Menschen zur Selbständigkeit zu verhälfen, wo er aus Überzeugung und realistischer Grundlage, der einzige ist auf den es da in diesem Punkt wirklich ankäme.
So jemand sollte sich gut überlegen wie seine Zukunft aussehen soll.


Wenn ich eins gelernt habe; mich, auch nicht auf selbst gemachte Spekulationen einzulassen, besonders dann nicht wenn sie mir nur schaden.
Nebenbei erwähnt; meine Schwester hatte als Kind ihrem kleinen bruder versehendlich mit kochendem Wasser den Rücken verbrüht. Bis heute gibt es keinerlei Anzeichen für irgendwelche möglichen psychischen Überbleibsel.
Ausschließen kann es niemand, aber ein solcher möglicher Zusammenhang müsste schon auf entsprechend eindeutige Hinweise fußen. Trotsdem, ein Übermaß an Schuldgefühl verhindert "hilfreiche" Unterstützung


Wenn einige meiner Argumente nicht anregen neu zu überdenken, dann bin ich auch erstmal Ratlos. Muß ja nicht für euch ebenso sein.

Jonny Wink
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