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Gefährlich nah am Abgrund
Rahel
Heute bin ich alleine zuhause. Ich versuchte die Zeitung zu lesen. Wir haben eine gute kompetente Zeitung. Aber ich konnte nicht lesen. Ich konnte mich nicht dafür interessieren. Dann habe ich sie weggelegt, hilfesuchend um mich geschaut. Was hat das Leben für einen Sinn, wenn man sich für nichts mehr interessieren kann, in nichts mehr aufgehen kann, keine Hingabe mehr empfinden kann? Dann habe ich ans Sterben gedacht. Es war ein Suizidgedanke. Ich habe mich hierhin gesetzt, um im Forum vielleicht tröstende Stimmen zu erfahren. Ich will mich ja nicht aufdrängen, aber ich musste von der Leere und der Angst berichten, die mich eben berührten. Ich kann mich auffangen, ich habe viele Möglichkeiten mich abzulenken, doch manchmal kommt sie schnell und überraschend - eine beängstigende Leere.
Vielleicht geht es ja nicht nur mir so.
Liebe Grüsse
Rahel
 
Andreas
Hallo Rahel,

was du schreibst liest sich für mich, als seist du gerade auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Den Sinn des Lebens kann dir aber niemand nennen, da er für jeden Menschen individuell ist.
In meiner Therapie fragte mich mein Therapeut einmal "Wo soll Ihr Zug des Lebens hingehen?".
Er erklärte seine Frage damit, dass jeder Mensch im Prinzip ein Zugführer ist, wo der Zug ein ganz bestimmtes Ziel hat. Auf dem Weg zum Ziel begleiten uns immer wieder verschiedene Menschen, einige bleiben länger im Zug, andere steigen früher aus oder wir wünschen keine längere Weiterfahrt von bestimmten Fahrgästen.

Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass du dir vielleicht Gedanken darüber machen könntest, was dein Ziel für dein Leben sein soll.

Ich für mich, habe mir diese Frage beantwortet und arbeite an der Realisierung meines Zieles.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Rahel
Hallo Andreas

Sinn und Ziel sind miteinander verknüpft. Ich denke, da hast du recht. Und ich werde mir in dieser Richtung Gedanken machen. Aber mein Problem ist ein bisschen das, dass mir anscheinend gerade die Begeisterungsfähigkeit für etwas Bestimmtes fehlt. Das hängt mit meiner Krankheit zusammen. Ich muss die Zeitung weglegen, weil die Inhalte mich nicht mehr berühren, wenn mich aber Inhalte nicht mehr berühren, dann bin ich gleichgültig. Von dieser Warte aus, ist es schwierig ein Ziel zu bestimmen. Ich kann mich höchstens noch rational an meine früheren Interessen, wie Kunst und Philosophie ERINNERN und mich daran orientieren.
Darf ich fragen, sind deine Ziele beruflicher Art, oder ist es eine Fertigkeit oder einen bestimmten Zustand, den du anpeilst?
Liebe Grüsse
Rahel
 
Andreas
Hallo Rahel,

mein Ziel, bzw. meine Ziele haben zum Einen beruflichen, aber auch zum Anderen Interessen Charakter.

Mein Ziel für mich ist es, meine berufliche Tätigkeit im sozialen Bereich mit meinem Interesse der Programmierertätigkeit und meinem ehrenamtlichen Engagement im wissenschaftlichen Bereich miteinander zu verknüpfen. Quasi alles irgendwie unter einen "Hut" zu bekommen.

Was aber dein Gefühlserleben angeht, so ist dies meistens verflacht und nicht mehr so intensiv, nach einem psychotischen Schub. Dies kann kann zum Einen an den Medikamenten liegen, aber auch zum Anderen daran, dass wir quasi erst einmal wieder regenerieren müssen. Dafür ist Zeit und Geduld sehr wichtig. Niemand aber kann dir genau sagen wie viel Zeit du brauchst. Das hatte ich dir eventuell schon an anderer Stelle geschildert.

Von daher kann ich dir nur empfehlen die Dinge langsam und ruhig anzugehen.

Viele Grüße
Andreas
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Rahel
Hallo Andreas
Vielen Dank für die Antwort! Werde ich mich also in Geduld üben müssen!
Ich kann mir vorstellen, dass das Soziale in Zusammenhang mit Internet sehr interessant und zukunftsträchtig ist. Wie viele leiden unter EInsamkeit, hat mir mein Psychiater verraten, und ihr Ausweg ist das Internet mit all seinen Foren und dem social network. Internet als Auffangbecken der Massen.
Liebe Grüsse
Rahel
 
Andreas
Hallo Rahel,

eine psychotische Ausnahmesituation ist nun mal nicht einfach so weckzustecken, daher ist Geduld sehr wichtig.
Hast du eigentlich auch schon daran gedacht eine Psycho-Therapie zu machen? Die häufigste Therapieform bei schizophrenen Psychosen ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dadurch wirst du zwar nicht trainiert in Geduld oder Konzentrationsfähigkeit, aber dafür lernst du dort eventuell anders mit den "Dingen" umzugehen. Damit meine ich Probleme oder Aufgaben allgemein, aber auch die "Dinge" anders zu bewerten.
Aber auch dabei ist Geduld wieder sehr wichtig verbunden mit einer gewissen Gelassenheit dem Therapeuten gegenüber was deine eventuellen Erwartungen angehen könnte.

Was mich und meine Ziele angeht, da hab ich überall schon ein Bein drin, wie man so schön sagt. Jetzt muss ich lediglich noch dran arbeiten alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Dies betrifft allerdings nicht nur allein dieses Projekt hier, da spielt noch Anderes eine Rolle.

Viele Grüße
Andreas
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Rahel
Hallo Andreas

Mein Psychiater und ich waren der Meinung, dass eine Therapie zur Zeit nicht viel Sinn macht. Die Schizophrenie ist eine organische Erkrankung und kann in erster Linie auch nur medizinisch, also mit Medikamenten behandelt werden. Was drum herum noch an Themen zu therapieren sind, werde ich in Angriff nehmen, wenn mein Gehirn sich soweit wieder von der Psychose erholt hat. Dann habe ich auch wieder Zugang zu meinen Gefühlen, die ja durch die Medikamente unterdrückt werden.

Ich wünsche dir viel Glück bei deinem "alles unter einen Hut bringen"!

Liebe Grüsse

Rahel
 
Andreas
Hallo Rahel,

die Meinung deines Psychiaters, dass die Schizophrenie eine rein organische Erkrankung sei, kann ich definitiv nicht teilen. Vielleicht mag eine Psycho-Therapie für dich im Moment, aufgrund der wenigen Zeit die bisher seit deiner Akutphase vergangen ist, noch nicht in Frage kommen, aber lediglich eine medikamentöse Psychopharmaka-Therapie ist sehr einseitig und definitiv nicht ausreichend.
Wie bei vielen Dingen im Leben spielt auch bei psychischen Ausnahmesituationen nicht nur ein spezieller Grund die Rolle, vielmehr sind immer mehrere Gründe die Ursache. Es ist richtig, dass eine organische Disposition eine Rolle spielen mag, aber auch Verhaltens- und Denkmuster bzw. -gewohnheiten.
Daher ist auch eine kognitive Verhaltenstherapie sehr wichtig um eine Besserung oder gar Genesung zu erreichen.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
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Rahel
Hallo Andreas

Du magst recht haben, dass die URSACHEN der Schizophrenie nicht nur organisch sind, aber die Krankheit selbst, also die Psychose und die Regenerationszeit danach - das sind doch organische Vorgänge, die man auch mit Medikamenten behandeln muss. Aber eben, um die Ursachen zu klären, gebe ich dir recht, wäre eine Therapie sinnvoll. Mein Psychiater und ich fanden einfach den Zeitpunkt zu früh, ich bin noch mitten in der Negativsymptomatik und empfinde mich einfach als eingeschränkt. Meinst du, ich soll schon jetzt mit der Therapie beginnen?

Liebe Grüsse

Rahel
 
Nase im Wind
Rahel schrieb:
Hallo Andreas
Mein Psychiater und ich fanden einfach den Zeitpunkt zu früh, ich bin noch mitten in der Negativsymptomatik und empfinde mich einfach als eingeschränkt. Meinst du, ich soll schon jetzt mit der Therapie beginnen?

Liebe Grüsse

Rahel

Hallo Rahel
Ich meine, Therapie anfangen sollte man wenn man den Zeitpunkt als den richtigen sieht. Sich mit einer Situation näher auseinandersetzen bring auch immer, nicht-vorhersehbare Folgen mit sich selbst wenn der Zeitpunkt günzig war. Chance und Risiko kann man dabei nicht vorher sehen, dennoch bin ich nicht sehr dafür mit einem Gefühl, ins "eis-"kalte Wasser zu springen, dies dann trozdem zu tun.

Schizophrenie als organische Ursache wäre eindeutig eine Erkrankung, und liegt doch falls überhaupt sehr selten vor.
Lachen, Weinen etc. ist ein biochemicher Prozess, wie kann das krank sein. man muss nicht gleich etwas als Krank einstufen selbst wenn Modikamente eingesetzt werden. Medikamente können mitunter korrigieren, aber sollten darüber hinaus nicht das, "mit sich selbst auseinandersetzen ersetzen" auch wenns schmerzlich ist was zu Tage kommt.
Klar, jede Bio-chemische Reaktion wirkt sich auch auf die Organe aus, kann also Die Organe krank machen.


Mancher kann ohne Medis nicht auskommen, trotzdem muss das nicht mit Erkrankung assoziiert werden, zumal Psychische Krankeit per Definition nur Spekulation ist.
Meine meinung, Die jeweilige Erfahrungs-Gesamt-"Konstellation", bis ins tiefste Innere der Seele, entscheidet mit ob jemand von Medikamenten wegkommen kann oder nicht, oder ob Psy-Medis reduziert werden können.
In späteren Jahren wird man weitere KomminikatonsArten- u. Methoden kennen um einer sehr ungünstigen Lebens-Erfahrungskonstelation besser entgegen zu wirken um medikamentenreduktion erfolgreicher zu bewerkstelligen.


Wenn ich eine kopfschmerztablette nehme, könnte man es spekulativ als krankheitszustand bezeichnen, kann aber auch sein, durch geringes Durchhaltevermögen und mangelnder Geduld nicht ohne Kopfschmerztablette aus kommen zu können.
Ich persönlich kann mit höherenkopfschmerz längere Zeit aushalten und finde lösungswege falls es sich nicht von selber legt.
Will aber nicht behaupten, dass Kopfschmerzen nie einen Krankeitsaspekt aben kann.


Psychische Probleme als Erkrankt oder was anderes bezeichnet; davon mal abgesehen ist es hier nicht Relevant sich um Krank oder Orientierungssuche "mit Medikamentenunterstützung" zu streiten, wärend es darum geht auf welche Art und Weise man mit sich und der Welt ins Reine kommt.

Jonny
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