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Gute Errinerungen
Michaela
Hallo;
Ich habe wenige gute Erinnerungen aus dem Leben mit meiner kranken Mutter und denke das mehr positive Ereignisse aus der Vergangenheit mir mehr Kraft und Geduld geben würden, das fehlt mir.
Geht es Euch auch so?
Michaela.
 
ntux
Hallo Michaela,
mit Deiner relativ kurzen Frage hast Du für mich den Nagel ganz gut auf den Kopf getroffen. Denn wenn ich mich an Erlebtes erinnere, dann drehe und wende ich das oft solange, bis ich einen Makel gefunden habe. Oder an manchen Tagen fühle ich mich allgemein so schlecht, dass ich an positive Erinnerungen garnicht ran komme.
In den letzten Jahren fällt mir beim Kontakt zu meinen Eltern immer wieder auf, dass sie sich zwar einerseits bemühen und kümmern wollen, mich umsorgen, etc. aber dabei immer Schlüsselwörter verwenden wie z.b. "da musst du dies und das" oder "du darfst nicht dies und das" wenn es eigentlich darum ginge Mitgefühl und Verständnis zu zeigen.
Auch bei Therapeuten erlebe ich immer dieses mich steuern und korrigieren wollen ohne dass ich zunächst das grundsätzliche Signal bekomme, dass ich okay bin so wie ich nunmal bin.
Am nächsten Schritt hänge ich jedoch leider fest, nämlich beim lernen mich selbst immer mal wieder lieb zu haben.
Das ist teilweise ziemlich verflixt...


Patrick
 
Nase im Wind
Michaela schrieb:
Hallo;
Ich habe wenige gute Erinnerungen aus dem Leben mit meiner kranken Mutter und denke das mehr positive Ereignisse aus der Vergangenheit mir mehr Kraft und Geduld geben würden, das fehlt mir.
Geht es Euch auch so?
Michaela.


Hallo Michaela
Ich war damals rundum gehemmt und hatte Eltern mit verstaubten Ansichten, die auch nicht dazulernen können. Es gab nur wenig gute Erlebnisse. Am besten ging es mir wenn ich allein war. Zuhaue saß ich oft abseits in der Ecke (am Ofen) um einen Lebens-Wohlfüllbereich für mich zu haben – dies war Stück-weit Erholung.

Eine für mich prägende Zeit des Wohlfohlens und wo das Leben lebenswert ist, war wenn ich im Sommer allein auf der Straße in der Nähe der Wohnung herum streunte. Es schien die Sonne und alles war recht friedlich, keine Streitereien die ich mitanhören musste. Ich ging dabei meinen Träumen nach und spürte die warme Sonne und war umgeben von viel freundlichem Licht, der hell strahlenden Sonne. Das war Frieden pur, wo ich auftanken konnte.
Diese Erinnerung hilft mir immer wieder zur Ruhe zu kommen.

Als ich später mein eigenes Zimmer hatte zog ich mich, wann immer möglich, dorthin zurück sofern ich nicht gerade lieber unterwegs sein wollte um größeren Abstand zum Familienstress und der Familen-gleichförmigen Routine zu haben.
Natürlich gab es einige wenige gute Erinnerungen aus der Kinderzeit als ich noch klein war, die Mutter spielte mit uns - die Welt schien noch in Ordnung. Doch das ist so weit weg.

Es kann sehr viel sein, Eine oder Zwei gute vorherrschende Begebenheiten heraus zu heben. Sich auf diese wenigen Momente zu besinnen war einige zeit lang überschattet von den vielen anderen Situationen wo ich in der Familie fast nur unter psychischen Druck stand.
Ich war immer am aushalten, geduldig die Nerven beieinander halten und täglich darauf warten, dass ich irgendwann ausziehen könnte. Als ich auszog, achtete ich darauf, möglichst viel inneren Abstand zu gewinnen. Später ließ ich die Abstände zwischen Besuchen zu hause größer werden.


Mir ist klar, dass du sozusagen drauf getrimmt bist Verantwortung zu übernehmen, die dir nicht einmal zukäme. Deine anderen Verwandten und bekannte oder so, solltest du gegenübertreten, ihnen deutlich wissen lassen, dass nicht du weiterhin verantwortlich bist für alles das deine Mutter nicht kann. Ich denke, es wird zeit dass deine Mutter offizielle Unterstützung in Anspruch nimmt.
Sollte sie dies nicht tun, muss sie selbst zurechtkommen, vielleicht erst auf die Nase fallen. Ich kann nur sagen, suche den Abstand, lebe dein leben und lese jedem der dir irgendwelche Verantwortung bezüglich deiner Mutter auf-bürden will, ordentlich die Leviten, denn du hast getan was du konntest. „Dein eigenes Leben hast du dir mehr als verdient. Deine Mutter arrangiert sich auf ihre weise ihr Lebensweg.

Auf diejenigen die dich nicht nach besten Kräften unterstützen, auf die bist du nicht angewiesen. Die haben dir nichts zu bieten. Deine Mutter tut mir Leid. Aber es scheint so zu sein, dass sie sich in ihrer eigenen Welt eingerichtet hat. Da kommt keiner ran bis sie es zulässt. Du bist jetzt wichtig, und solltest deinen persönlichen Träumen folgen und anstreben zu verwirklichen was für dich etwas bedeutet.
Löse dich von verantwortungen die du nicht zu tragen hast, gehe deinen Weg. Deine Mutter hat ihren Weg gewählt, wenn auch ohne die freie Wahl mehrerer Entscheidungsmöglichkeiten zu haben.


Suche dir Orte der Entspannung. Tanzen oder einfach nur fließende Bewegungen nach Gefühl, vielleicht mit angenehm beruhigender aber leicht beschwingter Musik. Der Effekt ist enorm. Bei ungefährer Regelmäßigkeit verkürzt sich die Zeit bis zu einem gewissen Wohlkühlgefühl und Ausgeglichenheit. Schon nach 1, 2 oder 3 Minuten wird es merklich wahrnehmbar.

Das ist mein persönliches Geheimrezept.
Jonny Wink
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Michaela
Hallo Jonny; Danke für Deine Aufbauende Antwort! Da ich seit meines 11. J. auf verschiedenste Arten für meine Mutter sorgen musste, fällt mir eine ziemlich Normale Senior sorge Heutzutage schwer. Ich veranstalte alles Notwendige damit sie gut Verpflegt wird in ihren Jahren, sie ist nicht mehr fähig für sich zu sorgen und ich bin für sie Verantwortlich; auch denke ich an die Male wo ich auf Andere ihre Hilfe Angewiesen war...Die einzig andere Angehörige ist meine Schwester, die Kürzlich von mir zu einiger Hilfe mehr benötigt wird aber manchmal nehme ich davon Abstand weil sie oft durch ihre Unsicherheiten mir mehr Arbeit und Stress als Hilfe bringt.Gefühslmässig fühle ich mich in der Situation wie ein grosser und schwarzer Müllsack der Unersättlich ist Liebe, Zärtlichkeit, Fürsorge...nur Wegzuschmeissen.. Ich finde diesen eigenen Kampf traurig aber habe keine Gewissensbisse.
Meine guten Erinnerungen schliessen meine Mutter meistens aus; ich kann mich auf meinen 6. Geburtstag, einige Frühstücke im Garten und ein paar gemeinsame Spaziergänge mit unseren Pekinesen-Hund als die guten Momente meiner Kindheit besinnen.
Ich würde gerne andere Kinder Betroffener Kontaktieren, ich denke das würde gemeinsamen Austausch aus einen Eigenen Licht erlauben, ich glaube aber das es diese Art Angehörige nicht so viel gibt.

Was meinst Du dazu?

Was steht auf dem Herzen in schwarzer Schrift bei Dir? ich kann es nicht lesen...

Ich wünsche ein schönes Wochenende!Wink
Bearbeitet von Michaela am 19.11.2010 00:56
Nicht immer ist es Möglich sich in die Rolle des Anderen zu tun.
 
Nase im Wind
Michaela schrieb:
Hallo Jonny;
Da ich seit meines 11. J. auf verschiedenste Arten für meine Mutter sorgen musste, fällt mir eine ziemlich Normale Senior sorge Heutzutage schwer. Ich veranstalte alles Notwendige damit sie gut Verpflegt wird in ihren Jahren,

Meine guten Erinnerungen schliessen meine Mutter meistens aus; ich kann mich auf meinen 6. Geburtstag, einige Frühstücke im Garten und ein paar gemeinsame Spaziergänge mit unseren Pekinesen-Hund als die guten Momente meiner Kindheit besinnen.

Ich würde gerne andere Kinder Betroffener Kontaktieren, ich denke das würde gemeinsamen Austausch aus einen Eigenen Licht erlauben, ich glaube aber das es diese Art Angehörige nicht so viel gibt.
Was meinst Du dazu?

Was steht auf dem Herzen in schwarzer Schrift bei Dir? ich kann es nicht lesen...
Ich wünsche ein schönes Wochenende!Wink



Hallo Michaela

Ich halte viel von einer Selbsthilfegruppe. Falls viel zu verarbeiten ist, wäre dann eine Einzeltherapie, oder eine therapeutisch begleitete Therapiegruppe angebracht. Ich hatte beides Parallel bewerkstelligt.
Jede Selbsthilfegruppe ist ja etwas anders. Im Netz habe ich eine Seite entdeckt dessen Link ich hier, als Beispiel hinein gesetzt habe. Die schien mir gut geeignet um einen Einblick zu bekommen. Habe aber nur die Hauptseite gelesen.
Der Link: http://ekpke.kilu.de
Selbsthilfegruppe Rhein-Neckar, "Erwachsene Kinder psychisch kranker Eltern" (EkpkE).

Deine Mutter braucht Pflege. Da muss es doch von der Krankenkasse die Möglichkeit geben Unterstützung zu bekommen. Natürlich können die nicht immer da sein. Ich und meine Geschwister konnten die Mutter, Nachts u. auch am Tage keine Stunde allein lassen, deshalb war ein Pflegeheim unumgänglich.

Meine Mutter am Krankenbett zu besuchen war für mich anstrengend, Sohnes-liebe von meiner Seite ist längst erloschen, hatte nur noch Mitleid. Unter ihr hatte ich am meisten gelitten, und ausgerechnet freute sie sich besonders auf mich, das angebliche Monster all die Jahre. Ich erkenne an, dass sie, natürlich für uns Kinder getan hat was sie konnte, was immer das heißen mag. In ihrer Vorstellung jedenfalls opferte sie sich auf für uns.
Verpflichte fühlte ich mich zu gar nichts, und lasse mir von anderen keine Verpflichtung aufdrücken.

Du aber bist wohl die einzige die sich kümmert aus der Familie, oder fast nur Du, und dann brauchst du jemanden der dich moralisch unterstützt aber deine Schwester nicht immer Hilfreich, sogar zuweilen eher eine zusätzliche Belastung darstellt dabei. Da wäre dir mehr geholfen wenn deine Schwester mit dir abwechselnd das Betreuen der Mutter übernehmen würde.
Ich kann gut verstehen, dass du dich für deine Mutter verantwortlich fühlst. Das hast du nun lange genug getan, und für alles gibt es Grenzen, jedenfalls dann wenn das eigene Lebenens-Glück (dafür bist du geboren), auf der Strecke bleibt.


Dein gutes Erlebnis mit dem kleinen Hund, finde ich von außen gesehen recht einprägsam. Es kommt mir vor als hätte ich das so erlebt, obwohl es bei uns so etwas nicht gab. Es ist wie ein anderes und heiteres Familienleben das ganz anders verlaufen ist.
Ich musste mir damals die guten Erinnerungen quasi aus den Fingern ziehen. Sporadisch blitzt da mal was auf. Aber das einzig wichtige und prägende, bleiben meine einzelgängerischen Spaziergänge in der Sonne als Kind. Manche würden es als traurig empfinden allein herum zu streunen. Für mich ist dies der eigentliche Bezug zu einer guten Kindheit.

Ich bin sicher dass du auch etwas wirklich greifbares der guten Momente aus deinem Leben, für dich wieder entdecken wirst, dass dich in schwierigen Stunden trägt.


Der Schriftzug auf mein Logo oder hier als Avatar, heißt
Hab' Sonne im Herzen ... Und das wünsche ich dir.
Mich hast du daran erinnert diese Worte wieder bewusst in mich hinein fließen zu lassen.
Jonny Wink Wink
Bearbeitet von Nase im Wind am 19.11.2010 18:08
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Michaela
Hallo Jonny;

die Sonne in Deinen Avatar ist mir jetzt gut Sichtbar und erleuchtet das Herz selbst bei Winterwetter!

Meine Mutter liegt noch in Krankenhaus, es ist keine Psychiatrische Einlieferung, die ist schon seit längerer Zeit durch die Monatliche Spritze und das hohe Alter nicht mehr Notwendig.

Einzeltherapien verschiedener Arten und mit guten und auch mit schlechten Psychologen oder Psychiatern habe ich alles schon durch, bin bei meiner letzten Therapeutin als völlig in Ordnung entlassen worden. Ich könnte sie wieder Aufsuchen wenn ich diese Drang hätte, ist aber nichts Aktuelles. Wie ich schrieb, wünsche ich mir einen Austausch, keine Therapie.

Was Du über die Besuche bei Deiner Mutter Geschrieben hast geht mir ähnlich, sie tut mir als alte und hilflose Person leid, Tochter liebe gibt es aber schon lange keine, diese Rolle hat ja immer sie gehabt.

Als ich dem Arzt anrufen musste wegen der Diagnose schwankte ich unter dem Schreck einer schlechten Nachricht, ich will ja nicht das sie Leidet, und dem Gedanke "ob ich jetzt bald von der Lebens last erlöst werde...?"Die Nachrichten waren gut. Ich habe sie genau ihrer Ärztin bei ihrer Anfrage weiter gesagt, konnte aber keinen Enthusiasmus zeigen als sie auch sagte das die Ergebnisse sehr Positiv wären.

Ich habe gerade noch etwas hier im Forum die Empfehlungen von Adressen für Angehörige mir Angesehen, ist gut zu wissen das es diese Einrichtungen seit ca. 40.J. gibt, leider habe ich Persönlich nichts davon*seufzt*

Liebe Grüsse;
Michaela.
Bearbeitet von Michaela am 22.11.2010 04:50
Nicht immer ist es Möglich sich in die Rolle des Anderen zu tun.
 
Nase im Wind
Michaela schrieb:
Hallo Jonny;
Wie ich schrieb, wünsche ich mir einen Austausch, keine Therapie.

Was Du über die Besuche bei Deiner Mutter Geschrieben hast geht mir ähnlich, sie tut mir als alte und hilflose Person leid, Tochter liebe gibt es aber schon lange keine, diese Rolle hat ja immer sie gehabt.

Als ich dem Arzt anrufen musste wegen der Diagnose schwankte ich unter dem Schreck einer schlechten Nachricht, ich will ja nicht das sie Leidet, und dem Gedanke "ob ich jetzt bald von der Lebens last erlöst werde...?"Die Nachrichten waren gut. Ich habe sie genau ihrer Ärztin bei ihrer Anfrage weiter gesagt, konnte aber keinen Enthusiasmus zeigen als sie auch sagte das die Ergebnisse sehr Positiv wären.

Liebe Grüsse;
Michaela.


Hallo Michaela
Mein verlorenes Gefühl für meine Mutter als Bezugsperson u. eines eigentlichen Familienmitgliedes ist unangenehm - es fehlt die Verbundenheit mit einem Menschen bei dem ich aufgewachsen bin. Da ist ein leerer Raum in mir.
Ich hoffe, dass dieses Gefühl dir nicht ganz verloren bleibt. Ich jedenfalls hoffe, dass sich bei mir dieses Gefühl ein-wenig, nach einiger Zeit, wieder einstellt.

Kann ich gut verstehen was dir trotz der positiven Nachricht durch den Arzt übermittelt wurde, durch den Kopf ging. Dieser Zwiespalt. Ich dachte mir am Krankenbett meiner Mutter, wenn sie bald stirbt wäre es für sie und für mich endlich ein Abschluss. Klar, ich möchte, dass es ihr einigermaßen gut geht, was ich aber jedem in der Situation wünschen würde. Allerdings habe ich ihr wohlwollend ein Weiterleben gegönnt, denn man weiß nicht ob es ihr zuletzt wirklich so schlecht ging.
Bevor sie in den letzten Tagen nicht mehr sprechen u. sehen konnte, bescherte ihr zeitweilig eine Traumwelt gute Erinnerungen, welche es in ihrem Leben niemals gab.

Wege zu Gleichgesinnten führt fast nur über eine Gruppe. Will aber auch nicht mehr diese regelmäßigen Gruppentreffen zum Aufarbeiten. Da bleibt vielleicht nur das Netz, oder eventuell darüber auch Veranstaltungen u. andere Zusammenkünfte in Erfahrung zu bringen, wo persönhliche Kontakte zum Austausch sich ergeben könnten.
Wenn man frühzeitig gewohnt ist mit vielem allein fertig zu werden sind SH-Gruppen nicht lange eine Unterstützung.

Mein Avatar ist vielleicht einer von wenigen was jemand selber zusammengestellt hat.
Jonny Wink
Bearbeitet von Nase im Wind am 23.11.2010 17:37
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
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