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ich sag mal einfach hallo
einfachich
Ich habe mich hier angemeldet, da ich eine Freundin habe, welche eine hebephrene Schizophrenie hat, mittlerweile bin an meinen Grenzen angekommen und suche deshalb den Austausch mit anderen.

Ich bin selbst 30 Jahre alt und kenne sie seit sie 15 ist, habe ihr geholfen in eine Einrichtung zu kommen und nicht mehr auf der Strasse leben zu müssen, da sie es in dem Kinderheim nicht aushielt und somit ständig dort abgehauen ist und sich auf der Strasse oder bei Freunden besser fühlte. Sie ist mittlerweile 21 und wir haben durchgängig Kontakt gehalten. Oft habe ich noch einen Zugang zu ihr wenn es keiner der Profis mehr hat und springe oft in die Presche, was auch ok ist.

Für mich ist es schwer im Moment mit ihr umzugehen, da sie immer weniger Grenzen akzeptiert und ich ständig bemüht bin ihr diese zu setzen, und sie diese Krankheitsbedingt nach wenigen Minuten einfach nicht mehr weiss, weil sie es nciht nachvollziehn kann, denn ihr ist ja gerade genau so und jeder andere muss es auch so hinnehmen. Da sie krank ist, wird sie sich nicht wirklich ändern können. Ich weiss nicht mehr wie ich mit ihr umgehen soll, ich bin da einfach an einer Grenze. Für mich ist jedoch klar, dass ich sie nicht viel verändern kann und es an mir liegt, wenn unsere Freundschaft bestehen bleiben soll.

Vielleicht habt ihr ja einen Rat was ich irgendwie ncoh machen kann.

lg einfachich
 
Nase im Wind
einfachich schrieb:
Ich habe mich hier angemeldet, da ich eine Freundin habe, welche eine hebephrene Schizophrenie hat, mittlerweile bin an meinen Grenzen angekommen und suche deshalb den Austausch mit anderen.

Für mich ist es schwer im Moment mit ihr umzugehen, da sie immer weniger Grenzen akzeptiert und ich ständig bemüht bin ihr diese zu setzen,
Vielleicht habt ihr ja einen Rat was ich irgendwie ncoh machen kann.

lg einfachich


Hallo einfachich;
Du weist ja worum es geht, dies ist auch seltener.
Habe sogleich auf Wikipedia entsprechendes nachgelesen, diese Seite unter der, von dir beschriebenen genauen Begrifflichkeit, gefunden. Hebephrene Schizophrenie ist anscheinend eine der selteneren, u. schweren Erkrankunksform einer Schizophrenie. Das ist auf der Seite aber nur eine allgemeine Aussage weil jeder seine Eigenheiten hat.
Dein Einfluss könnte im Verlauf der Zeit vielleicht weniger werden. Muss aber nicht zwangsläufig so sein.

Wir könnten überlegen, welche Art der Grenzüberschreitung des Verhaltens eingedämmt werden soll/ müsste. Wie äußert sich das denn? Ich denke hier erstmal an eine Überschreitung (keine Grenze finden), wo es in erster Linie für sie selbst nicht gut ist. Die Frage ist wohl, wie viel Toleranz-Bewegungsfreiheit ihres tun/ sein des Verhaltens ist gut oder nötig sowie hilfreich.

Das ist eine schwierige Situation für alle beteiligten. Dabei fällt mir gerade deshalb, dass „Soteriaprinzip“ – Dabei Sein (Auch der Weblink des Forums, zu der Seite), ein. Und, was ich selbst unter „Soteria“ verstehe, was möglicherweise dazu gehört soterianisch zu sein - hier im Form zum Ausdruck gebracht habe.
Es geht ja um Fördern und/oder möglichst Erhalten der Lebensqualität sowie möglicher Schutz vor all dem das nicht so Hilfrich ist.

Jonny
Bearbeitet von Nase im Wind am 28.10.2010 16:46
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
einfachich
Grenzüberschreitung in meine Richtung ist, dass sie immer ihre Bedürfnisse durchsetzen muss und die des anderen völlig ignoriert. Allein bei Nähe ist es anstrengend, denn ich gehöre zu den Menschen, die nicht zu jeder Zeit gern Nähe haben und wenn ich dann "ne du ich mag nicht das du dich ankuschelst" dann meint sie nur, dass sie es aber möchte und meine Befindlcihkeit ist ihr völlig egal.
Zum anderen ist auch wenn wir uns für eine bestimmte Zeit verabreden kommt sie nie pünktlich, was natürlich anstrengend ist in dem Moment wo ich lange warten muss, gerade zu kalten Jahreszeiten oder ich essen gemacht habe und sie ja angeblich schon auf dem Weg und gleich da ist...aber auch wenn ich die verspätung einplane und sie etwas früher kommt als die stunde die nomal ist, meckert sie, dass das essen nciht gleich auf dem Tisch steht.
Zum anderen hat sie mit diversen Männern irgendwelche intimen Beziehungen und ständig eine Infektion nach der anderen, wo sie oft auch gar nicht die Notwendigkeit sieht, diese behandeln zu lassen, wenn ich nicht sehr darauf dränge, aber auch solche Infektionen können zu schäden führen. Manchmal sind ihre Schilderungen für mich hart an meiner Eckelgrenze und manchmal ertrag ich deshalb ihr "ankuscheln" nur schwer. Desinfektionsmittel bei mir im Bad und Toilette sind mittlerweile normal, denn man weiss ja nie.
Auch so Kleinigkeiten wie beim Husten die Hand vor dem Mund oder sich auch wegdrehen, ist längst nicht mehr gang und gäbe bei ihr.
Vielleicht hört es sich nach Kleinigkeiten an, aber leider summieren sie sich.

Ständiges Lügen und immer erwarten, dass ich in die Presche springe ob nun finanziell (habe ich mir aber abgewöhnt, lieber kaufe ich mit ihr ein bzw koche dann für sie immer so für 2 Tage vor) oder um ihre Betreuung zu retten, sie macht momentan noch BEW und soll schon seit nem jahr wo anders unterkommen, da sie ihre Betreuerin geschlagen hat und nur schwer von dem Polizisten beruhigt werden konnte. Sie kam dann in die Klinik, konnte dort aber gehen, jedoch war ne gute Woche später eine Zwangseinweisung.

Sie war schon vor der Erkrankung intelligenzgemindert und im Verlauf dieser Schizophrenie kann es zu einem IQ-Abfall um bis zu 30 Punkte kommen und genau dass lässt sich sehen, denn Dinge gerade sie soziale Kompetenz betreffend, lassen immer mehr nach.

Ihr Wahn ist auch sehr anstrengend, denn sie hat keinerlei empfinden für die Realität, nur ihre Realität ist für sie die einzig wahre, alle anderen spinnen und lügen ja nur.

Es gibt auch einem Typen, der sie anruft und sich als eine Person aus ihrem Wahn ausgibt und ihr gefakte Briefe zustellt, der hat einen Heidenspass daran, sie zu ängstigen und ich denke er wird sich auch köstlich darüber amüsieren.

Nun steht sie wieder kurz vor der Zwangseinweisung und es gibt keine andere Möglichkeit, da sie ja nicht krank ist und deshalb auch keine Tabletten nehmen muss zusätzlich zu ihrer Depotspritze.

Manchmal hab ich das Gefühl ihr diese Wahnvorstellungen ausreden zu müssen, einige wenige Male, war ich so dumm mich auf sowas einzulassen und mit ihr zu diskutieren. Aber sie hat immer wenn sie ihre Geschichten erzählt ein glänzen in den Augen, da sie ja durch ihren Wahn jemand besonderes, berühmtes ist... nun versuch ich sie einfach zu lassen, denn bei akuten Menschen redet man keinen Wahn mehr aus, da sie ja keinen bezug zur Realität haben, dass kann ich als Beraterin auch so sehen doch da ich bei ihr emotional so sehr involviert bin, fällt es mir schwer.

Ein befreundeter Psychiater meinte, wenn sie es bis 30 schafft kann es abflachen und besser. aber oft infizieren sich gerade junge Frauen dann mit schweren Krankheiten, wie HIV und schaffen es nicht solange zu überleben.
Das gab mir sehr zu denken...
Sein Rat war, dass ich mich emotional distanzieren soll und sie eher von der Professionellen seite her annehmen soll, denn sonst werde ich früher oder später auch dran Krachen gehn.
Und manchmal glaub ich er hat recht, wenn ich unsere Freundschaft retten will, muss ich für mich wohl von der Rolle der Freundin in die der Beraterin schlüpfen, denn dann ist die emotionale nähe weg und ich kann mich besser abgrenzen und ihre grenzüberschreitung besser ertragen...aber ich weiss es nicht genau

lg einfachich
 
Nase im Wind
einfachich schrieb:
Grenzüberschreitung in meine Richtung ist, dass sie immer ihre Bedürfnisse durchsetzen muss und die des anderen völlig ignoriert. Allein bei Nähe ist es anstrengend, denn ich gehöre zu den Menschen, die nicht zu jeder Zeit gern Nähe haben und wenn ich dann "ne du ich mag nicht das du dich ankuschelst" dann meint sie nur, dass sie es aber möchte und meine Befindlcihkeit ist ihr völlig egal.

Und manchmal glaub ich er hat recht, wenn ich unsere Freundschaft retten will, muss ich für mich wohl von der Rolle der Freundin in die der Beraterin schlüpfen, denn dann ist die emotionale nähe weg und ich kann mich besser abgrenzen und ihre grenzüberschreitung besser ertragen...aber ich weiss es nicht genau

lg einfachich


Hallo einfachich
Mit meiner damaligen Frau war das z.B mit den Umarmungen, bisschen umgekehrt. Sie kam seltener Spontan auf mich zu. Es ging also fast immer von mir aus. Ist einer der Abstriche mit denen ich mich arrangierte. Sie hat aber eine andere Form der Schizophrenie.


Ganz sicher sind es keine Kleinigkeiten mit denen du konfrontiert bist. Ihre Einschränkungen hast du benannt.
Dieser Psychiater hat schon recht mit dem Abstand. Trotzdem kannst du ihre Freundin sein, oder gerade dann ist es eher möglich dies aufrecht zu erhalten.
Faktisch ist dir bewusst was geht und was nicht. Emotional eine feinere Bandbreite entwickeln um leichter zu kanalisieren ist ein nicht einfacher Prozess. Das ist eine meiner Erfahrungen.
Da ich sensibilisiert bin, tiefer ins innere des anderen hineinzusehen ist es für mich unabdingbar, stetig besser damit umgehen zu lernen. Meinen damals sehr kontrollierten Abstand konnte ich recht gut abbauen. Angemessener Abstand und Nähe lässt sich Einpendeln. Klar, in Handumdrehen geht das nicht. Auch Eltern mit einem betroffenen Kind, haben im wesentlichen genau diesen Punkt, zu einem gewissen Grad, für sich zu meistern. Nur so kann ich Unterstützen „und mich schützen“.


Ich bekräftige hier. mit meinen Worten z.T, was du eigentlich selbst bereits geschrieben hast. Da sind viele Parallelen.
Dir wird nichts übrig bleiben als sie so sein zu lassen wie sie ist. Sie scheint viel Abwechslung, und viel Freiraum zu brauchen. In einer stationierten Betreuung einer Wohn-WG wird sie nicht unbedingt glücklich, und ich frage mich ob dort Förderung sein wird. Für sich selbst sorgen aber kann sie offensichtlich auch nicht.

Sofern es dich nicht überfordert kannst du ihr eine Anlauf-Zuflucht bieten, wo sie dir all ihre Erlebnisse erzählt, hofft oder glaubt diese dir erzählen zu können.
Direkt etwas zurück bekommen auf gewohntem Weg wird auch nicht so klappen. Bestenfalls besteht das zurück-bekommen darin, über ihre kleinen Freuden von denen sie hoffentlich was zu berichten hat (mag es auch etwas ekliges dabei sein, im Rahmen deiner Welt), dich mit ihr freuen, mit ihr zu teilen. Vielleicht erkennst du andere Arten von Zuneigung die sie nicht direkt ausspricht. Das wäre ein Art von direktem zurückgeben.

Ohne eine gewisse innere Abgrenzung wird dir langfristig einiges zufiel werden und es nicht längere Zeit mitmachen können. Da du weißt was diese Form schizophrenen Erkrankung mit sich bringt, ist dir klar das dein Einfluss nur sehr mäßig sein kann. Ihr Verhalten und Haltung zeigt auf, was eher nicht möglich ist.
In einer Wohneinrichtung wo es angepasste fördernde Projekte gibt könnten spezifische Kleinigkeiten verbessert werden, die viel ausmachen.

Dich kann ich verstehen. Jedoch auf Grundlage der Auswirkungen ihrer Erkrankung, und vielleicht in Verbindung ihrer Vorgeschichte sind die Grenzen deiner Freundin zu berücksichtigen. Für sie ist nicht wichtig was üblicherweise anderen wichtig ist, oder erscheint. Auf deine Bedürfnisse sich einzustellen ist ihr nicht oder kaum möglich. Einpaar grundlegende Grenzen anderer zu respektieren müsste sie systematisch trainieren, und das können Laien wie wir eher nicht leisten.

Falls ihr nicht zusammen wohnt, dann hast du einen zeitlich u. räumlichen Abstand der dir Luft verschafft. Du hast dir aber schon auch was aufgeladen mit dem Kontakt zu ihr, und nur du kannst entscheiden ob du für dich mit dir selbst dabei Kompromisse machen kannst um dich selber nicht zu schaden.


Mit mehreren Männern diverse Beziehungen aufnehmen sehe ich An sich nicht als Übel, und ist wohl nicht deine eigentliche Sorge. Es wird hoch problematisch wenn sie nicht sonderlich wählerisch ist, keine Vorsicht im Selbstschutz walten lässt und kaum auf eigene gesundheitliche Vorsorge bedacht ist. Zu befürchten ist, dass sich dies nicht ändern wird.
Deine Vorsichtmaßnamen finde ich angemessen. Ekelgefühle kann man bis zu einem gewissen Punkt überwinden (Der erfolgreichst bin ich selber dabei nicht gerade). Manchmal kann man es nur ausblenden, wenigstens für den Moment, zumindest bei diversen Schilderungen. Sonst geht am Ende nichts mehr.
Ich denke z.B an Berufe wie Streetwalker wo man drüber wegsehen muss um weiterzumachen. Ekel, wenn er angemessen ist, warnt vor Gefahren die sich unter bestimmten Voraussetzungen ergeben können.

Keine einfache Situation. Sie lebt ihr Leben wie sie es kann und gezwungen ist dieses so zu leben.
Beim Husten keine Hand vor den Mund und nicht weg drehen ist sehr Häufig, fast die Regel. Da hilft nur in Deckung gehen. Unpünktlichkeit und alles möglichst sofort haben wollen/ brauchen, u. weiteres ist leider nicht selten.
Unpünktlichkeit ist schwer zu händeln. Wenn es ums Essen geht, wäre es denn möglich solch ein Essen zu bereiten das, noch weniger Vorbereitungs- u. Fertigungszeit braucht?
Ihre eigene feste Welt wird sie weiterhin ausleben. … Verschiedenes könnte ab trainiert, anderes geübt werden (ist als erstes Profisache). Sie ist noch Jung, da ist also Zeit für.


Du sollst natürlich nicht allem hilflos ausgeliefert sein. Also durchaus deine Meinung, notfalls energisch anbringen, auch wenn das mehfachen Einspruch gibt. Gelassener angehen. Du bist auch nur ein Mensch, und falls dir was über die Hutschnur geht, deutlich darauf hinweisen. Lasse sie protestieren.


Das mit den unliebsamen Briefen die sie bekommt ist mir was nicht klar; könnt ihr nichts dagegen tun? Das ist ja kein haltbarer Zustand. Klingt wie Mobbing.

Ich habe mal versucht darzulegen wie ich es sehe, so aus der Ferne.
Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
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