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jemand zum austauschen da?
schnuffelinchen
Hallo zusammen,
schön dass es dieses Forum gibt. Meine Mutter ist schizophren seit mehreren Jahren, zeigt aber keine Krankheitseinsicht. Ist hier vielleicht jemand in meinem Alter ( 28, muß aber nicht so sein), von dem jenigen auch ein Elterteil schizophren ist und der sich mit mir austauscht? Ich denke es ist einfacher mit jemandem zu reden, wenn man die gleichen Ängste, Sorgen, Situationen erlebt habt. Ich würde mich freuen. Dankeschön.
 
akira
hi
ich schätze,wir teilen das selbe problem.auch meine mutter ist seit ca.25 jahren paranoid-schizophren.bis vor zwei jahren war sie relativ stabil unter medikamenten-einfluss,doch mit meinem auszug begann das drama.sie setzte die medikamente selbstständig ab und erfuhr innerhalb weniger monate einen erneuten krankheitsschub,der von mir nicht rechtzeitig bemerkt wurde.als ich es dann letztendlich realisierte,war es schon zu spät,um als angehöriger familiär intervenieren zu können,so blieb mir nur die möglichkeit,den spd einzuschalten,der eine diagnose zur stationären zwangsunterbringung stellte,die jedoch nach mehreren monaten von der richterin abgelehnt wurde,mit der begründung auf selbstbestimmungsrecht.erst als der richterin persönlich die dringlichkeit der situation schilderte,urteilte sie erneut.zum ende des 1-monatigen st.aufenthaltes war inzwischen ein jahr vergangen,in denen ich mich mit betreuern,gericht und ärzten stritt.mir wurde sogar unterstellt,dass ich aus dem wohnungs-entrümplungs-marathon eine eigene bereicherung anstrebte!
nun ist meine mutter unter juristischer betreuung,der ich vor drei monaten von verhaltensauffälligkeiten berichtete und um konsultation der ärzte bat,da ich ein erneutes eigenmächtiges absetzen der medikamente befürchtete.innerhalb dieser zeit hat sich der geistige sowie körperliche zustand meiner mutter rapide verschlechtert und ich erwarte für die nächste woche ein erneutes richterliches urteil...und dann?
ich habe fast keinerlei erinnerung an meine kindheit und meine jugend verbrachte ich in einem internat auf staatskosten,da wir inzwischen keine lebenden angehörigen, bis auf meine großmutter, mehr haben,war ich anfänglich auch ein wenig überfordert und erfuhr viele verbale ohrfeigen von staatlicher seite für meine vermutung eines erneuten schubes.diese überforderung brachte mich dann auch selbst an den rand meiner kräfte und sodann in ambulante therapie auf grund akuter depressionen.bisher ohne grösseren erfolg,ich leide immer noch wie ein tier,wenn ich einmal die woche ihren verfallsprozess wie paralysiert mit ansehen muss,ihre krankheitsverläumdung und schuldzuweisungen höre und nichts tun kann,als sie in die "klapse einzuweisen",ich weine,wenn ich an die verbliebenen erinnerungen meiner kindheit dnke und daran,wie sie nur noch ein schatten ihrer einst so strahlenden existenz ist...ich bin jedoch froh,endlich die kraft gefunden zu haben, nach neuen wegen zu suchen,die hilfestellung und ansätze bieten,wie z.b. dieses forum,doch bin ich noch ganz am anfang.wahrscheinlich hast du inzwischen mehr informationen gesammelt,und ich würde mich freuen,wenn du sie mit mir teilst,denn ich habe zum teil immer noch das gefühl, vor einem schier unüberwindlichen parcour zu stehen;
ich bin für jede anregung dankbar...
 
Nase im Wind
akira schrieb:
hi
ich schätze,wir teilen das selbe problem.auch meine mutter ist seit ca.25 jahren paranoid-schizophren.bis vor zwei jahren war sie relativ stabil unter medikamenten-einfluss,doch mit meinem auszug begann das drama.
ich bin jedoch froh,endlich die kraft gefunden zu haben, nach neuen wegen zu suchen,die hilfestellung und ansätze bieten,wie z.b. dieses forum,doch bin ich noch ganz am anfang.

Hallo akira
Ich antworte, aus Betroffenen-Sicht u. als damaliger Angehöriger einer psychisch betroffenen Ehefrau.

Nach meiner Ehescheidung bekam die psychisch sehr kranke Mutter das Sorgerecht für meinen Sohn. Jetzt mit 11 Jahren ist er in ein Heim gekommen. Ein Heim ist kein Zu-hause, dennoch bin ich froh das er der Erziehungsgewalt der Mutter entzogen wurde. Nun hoffe ich darauf, dass er eines Tages den Kontakt zu mir sucht.
Als ich vor einiger Zeit die Mutter meines Sohnes sah wusste ich, dass die gesamte Kindheit meines Kindes voller Kummer sein würde.

Du hast keinen der Verwandten die dir helfen können eine Brücke zu schlagen zwischen der Lebensweise deiner Mutter und deinem Leben, wie mein Sohn bisher auch. Das du Depressionen hast ist mir verständlich. So etwas hält unterschiedlich lange an. Ganz bestimmt ist es schwierig sich an das Bild der Vergangenheit zu erinnern wo es gute Zeiten gab, und gleichzeitig akzeptieren wie es jetzt ist.
Du kannst nur wenig aktiv eingreifen, und deine Gesundheit musst du auch schützen. Das ist keine Kleinigkeit.



Meine, innere Depression schleppe ich ungewöhnlich lange mit mir herum, und hat wohl damit zu tun dies ganz mit mir allein aus zu machen. Nach außen macht sie sich weniger bemerkbar, dafür spüre ich diesen verinnerlichten Schmerz und keiner weiß, dass es mir eigentlich nie wirklich gut geht. Ich lebe damit und ist immer bei mir, selbst wenn es mir ansonsten auch mal richtig gut geht.
Zurzeit wäge ich sehr genau ab, um möglichst nur das zu tun was ich wirklich will. Vermeintliche Verpflichtungen ignoriere ich und reduziere aufs notwendigste das unbedingt sein muss.


Ich weiß nicht wie ich mich hier anders oder kürzer fassen kann. Eigentlich will ich nur ausdrücken, dass dir vorrangig gebührt deine Entscheidungen zur Situation zu treffen, und du nicht unbedingt auf jeden Rat oder Unterstützung von Besserwissern unter den sog. Geschulten oder vermeintlichen Profis, angewiesen bist.
Im Dialog bleiben, ist dennoch wichtig.
Hier sind zwar meine Ansichten, aber da gibt es Variationen von anderen. Und sie lassen sich, „nicht Eins zu Eins“ auf andre Situation übertragen. Letztlich ist es eine Angelegenheit zwischen zwei Personen – genau genommen ist es deine Entscheidung was du tust (im Rahmen des Machbaren).


Gut das du dich auch direkt an die Richterin gewandt hast. Man muss die tatsächlich eindringlich ansprechen. Leider mahlen die Mühlen langsam. Im Notfall, wenn du der Meinung bist es muss sofort was geschähen, bleibt nur der Anruf in eine Klinik od. der Not-Bereitschaftsdienst. Wenn eine Einweisung abgelehnt wird, dan weißt du wieder etwas mehr wann was möglich ist und kannst dich künftig auf die Situationen besser einstellen.

Falls deine Mutter periodisch oder unter bestimmten Umständen klare Momente hat solltest du diese beschreiben. Manchmal herrscht plötzliche völlige Klarheit im Kopf sobald ein Arzt auftaucht, oder sie es spürt (denn sie weiß instinktiv was auf sie zu kommt). Der Arzt sagt, er könne nichts machen weil keine Symptome oder Gefährdung erkennbar ist. Hier sind seine Grenzen, wo der auf deine Aussagen angewiesen ist. Am überzeugendsten bist du wenn du nicht ganz so aufgeregt bist. „Und es tut dir selbst auch gut“.


Das mühsame u. langatmige auseinandersetzen mit Behörden ist mir gut bekannt. Da hilft nur, sich nicht abspeisen lassen und ein Nachfragen, nach was für Kriterien, und woraus diese Kriterien sich zusammensetzen die zur jeweiligen Entscheidung des Arztes führt. Man muss da schon aufpassen das die dort vor lauter Angst vor diesem Gesetz, die berechtigten Befürchtungen, nicht ignorieren oder diese überhören.

Ich möchte jedoch auch erwähnen, dass immer noch zu-viele unnötig oder voreilig Zwangseingenwiesen werden. Für Angehörige ist es zunächst nicht zu erkennen wo die Grenze zu ziehen ist ob jemand sein Recht auf eigene Verwirrung lebt, oder ob er dadurch einer klaren Gefährdung unterliegt. Selbst die geschulten Mediziner und Sozialarbeiter können dies nicht immer abschätzen.

Eine Schwierigkeit haben Ärzte bei ihren Entscheidungen zu bewerkstelligen; Sie müssen den Gesetzen zur Antidiskriminierung folgen. Diese wurden in erster Linie von engagierten Betroffenen erkämpft.
Auf der anderen Seite haben die meisten von Behördenseite sich kaum die Kompetenz erarbeitet, sowohl die belange der psychisch Betroffenen, als auch die Argumente sowie die teilweise berechtigten Befürchtungen, Sorgen, und „Nöte“ Angehöriger zu verstehen, sie ernst zu nehmen und, haben das Problem, deren Aussagen nicht ausreichend zu interpretieren (zwischen den Zeilen lesen).
Dennoch, sie sind uns Betroffenen u. Angehörigen stets klare Antworten für ihre Handlungen schuldig.

Obwohl Psychoseseminare bekannt sind, nutzen leider „nicht“, die schwarzen Schafe unter den Ärzten etc. die Möglichkeit des trialogischen Austausches zwischen Betroffene, Angehörige u. geschulte der psychiatrischen Bereiche. Die Wirksamkeit und der Nutzen für alle Beteiligten ist enorm.


Mit diesem Gesetz muss verantwortlich umgegangen werden. Und es ist noch Neuland. Ein, bis dahin untypisches Umdenken muss nun einsetzen. Auch von Seiten der Angehörigen ist es gut es zu verstehen um die Gründe für ärztliche Entscheidungen, und dem Verhalten des SPD einzuschätzen. Aber auch für sich selber einen gangbaren Weg zu finden mit dem, eigentlich, natürlichen Teil des Verhaltens u. Eigenheiten der psychisch Betroffenen, umzugehen.
Natürliches Verhalten deswegen, weil sich ein Verhalten aus Lebenseindrücken, Erlebnissen usw. zusammensetzt.

Die ratifizierten Antie-Diskriminierungsgesetze für psychisch Betroffene sehen das Selbstbestimmungsrecht vor. Dem nach kann der psychisch Betroffene, selbst dem SPD einen Zutritt zur eigenen Wohnung verwehren. Das kann nur außer kraft gesetzt werden wenn konkreter u. nachvollziehbarer Verdacht sich erhärtet.
Solange gesundheitliche Selbstgefährdung (z.B bedrohliche Unterernährung) oder Gefährdung anderer, aus Sicht des Arztes nicht besteht, hat niemand eine Handhabe, z.B Zwangs-Meditation oder Einweisung zu erwirken. Auch, bis zu einem gewissen Grad in Unordnung oder mangelnder Reinlichkeit der Wohnung zu leben ist kein behördliches Kriterium irgendeinen Zwang auszuüben.


Geschützt wird das Selbst-bestimmte Leben in der eigenen Welt, egal ob derjenige sich darin wohl fühlt oder nicht. Das erscheint auf den ersten Blick widersinnig, ist jedoch auf jeden Fall versteh u. adaptierbar.
Die meisten psychisch/ selig Betroffenen sind friedlich. Einige aber aggressiv oder zumindest beleidigend usw. Damit umgehen ist weitaus schwieriger, und jeder kann nur für sich entscheiden ob er es sich zumuten kann oder sogar damit zurecht kommt.
Nicht-Krankheitseinsichtig sein, gehört ebenfalls zur persönlichen Gedanken- u. Gefühlswelt, u. zur persönlichen inneren Freiheit die das Gesetz schützen soll. Jeder lebt wie er es versteht, und soll es leben dürfen.

Das ist eine Herausforderung aber schützt auch dich als Angehörige. Du sollst die Verantwortung für dem Anteil der Selbstverantwortung deiner Mutter für ihre Leben-weise, nicht übernehmen müssen.
Für dich ist es kein Trost. Bedenke jedoch, dass eigene Leben nach eigenem Glauben auszuleben ist ein Stück Welt in der sie sich auskennt. Gut gemeint, mit Gewalt herausreißen bringt nicht weiter.

Jonny
Bearbeitet von Nase im Wind am 17.09.2010 19:01
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
pepperona
Hallo,
habe mich hier gerade angemeldet. Ich schreibe in diesem Thread, weil ich ihn andersherum nicht gefunden habe. Ich bin die Mutter einer psychisch Kranken Tochter, seit 11 Jahren erkrankt und derzeit mit einem schlimmen Schub und heftigem Wahn auf der geschlossenen Station.
Heute war ich nicht da, sie hat mich aber angerufen, ich hätte ihr Baby genommen. Sie hat aber gar keines.
Wie üblich die Überlegung, ob ein Besuch den Wahn noch verstärkt. Und auch die Frage, wie lange der Angehörige das noch aushält, ich habe selbst keine Kräfte mehr dafür. Bei allen Besuchen die ich in letzter Zeit machte, traf ich nie andere Angehörige, obwohl es eine großzügige Besuchszeit gibt von 10 - 20 Uhr.

Die Unbesuchten in der Klinik tun mir leid, aber ich verstehe auch die Angehörigen, die nicht mehr hingehen um sich selbst zu retten.

Freue mich auf Austausch.

Herzliche Grüße

Pepperona
 
Nase im Wind
pepperona schrieb:
Hallo,
Ich bin die Mutter einer psychisch Kranken Tochter, seit 11 Jahren erkrankt und derzeit mit einem schlimmen Schub und heftigem Wahn auf der geschlossenen Station.
Heute war ich nicht da, sie hat mich aber angerufen, ich hätte ihr Baby genommen. Sie hat aber gar keines.

Die Unbesuchten in der Klinik tun mir leid, aber ich verstehe auch die Angehörigen, die nicht mehr hingehen um sich selbst zu retten.

Freue mich auf Austausch.

Herzliche Grüße

Pepperona

Hallo Pepperona
Da deine Tochter jetzt einen heftigen Schub hat ist es am besten, versuchen zwischendurch Rücksprache mit dem Arzt zu halten. Oder beim Besuch mit den Pflegern sprechen bevor od. nachdem du deine Tochter triffst, um auszuloten wie es ihr geht.
Deine Tochter kann deine Gegenwart als auch deine Abwesenheit, in gleicherweise auslegen. Es wirkt dann genauso auf sie. Würde der Arzt oder die PflegerInen der Ansicht sein das du deiner Tochter schadest wenn du sie besuchst, dann ließen die es nicht zu. … Aber auch dann nicht wenn deine Tochter wollen würde das du nicht kommst.
Natürlich ist hilfreich ungefähr abschätzen zu können was gerade besser wäre. Es geht auf der anderen Seite auch um deine Gesundheit. Lieber 1 oder 2 Besuch'e auslassen als später selber erschöpft zu sein.


Bei dieser langen Zeit der psychotischen Zustände deiner Tochter warst du sicher schon in einer Angehörigengruppe. Dort ist zwar auch nicht alles Gold was glänzt, aber es wäre keine gute Idee da nicht hinzugehen um nicht zusätzlich mit den Themen konfrontiert zu werden. Jedenfalls ist es nicht so, dass man meint, nach 3, 5, 7 mal dort sein, dass wesentliche nun mitbekommen zu haben.

In manchen Kliniken gibt es Angehörigengruppen. Ob da ein Arzt diese leitet weiß ich nicht. Unabhängige außerhalb einer Klinik finde ich persönlich besser.
Wichtiger als alles, für „Dich -und- deiner Tochter“, ist dass „Du“ innerlich mehr Abstand zur Situation gewinnst – anders damit umgehen. Selbst wer verwirrt ist regelt seine Welt auf die eigene weise, wie jeder - sorgt innerlich für sich, auch wenn es nicht so aussieht.
Traue und mute deiner Tochter etwas zu. … Das ist ein ungewohnter Satz, mit dem selbst Ärzte noch nicht recht umgehen können. Ich als psychisch/ seelisch Betroffener habe da so meine liebe Not mit den Ärzten etc.
Kein Mensch ist völlig Hilflos, jeder arrangiert sich stückweit auf seine weise u. auf verschiedene Art mit seiner eigenen Welt. Es ist teil des Verarbeitungsprozesses. Du bist leider direkt mit-betroffen, und „nicht“ alle Verantwortung musst du tragen.


Ja genau, als Angehöriger muss man sich manchmal selbst schützen bzw. retten.
Ich war zwar in der Klinik, aber kam mit denen die verwirrt sind ganz gut zurecht, wobei es auch unangenhme gibt. Was tun wenn man nicht weg gehen kann? - das beste daraus machen, aber wie?. Für Angehörige ist es viel schwieriger zu sehen wie sich das eigene Kind durch die Psychose gequält, oder selber ihre Angehörigen wiederholt etwas unterstellen.
Die Psychosen der dortigen Betroffenen sind vielfältig und zumeist friedlich oder sie schimpfen gelegentlich vor sich hin.
Ist schwer zu sagen wie viele dort Besuch bekommen. Einige wirklich einsame bekamen mit sicherheit keinen, auf den sie hofften, jedenfalls nicht in den 3 Monaten als ich dort einsaß.
Jeder hat seine guten Gründe sich zurückzuziehen, welche auch immer. Ich habe darüber nicht zu urteilen (verurteilen erst recht nicht), alle haben wir unsre persönlichen Grenzen. Sich schützen oder selbst retten ist ein guter Grund.

Jonny Frown
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
pepperona
Hallo Jonny,

vielen Dank für die Antwort.

Die Schübe bedeuten immer auch eine Persönlichkeitsveränderung und ich erlebe auch nicht, dass sie ruhig oder zufrieden ist, es kommt zwischendurch zu Zwangsmedikation, die Situation ist insgesamt unerfreulich.

Da entsteht automatisch eine Distanz.

Mir haben Angehörigengruppen bisher nicht geholfen. Es kommen Leute mit neuerkrankten Angehörigen meist im Jugendalter. Auch finden diese Gruppen weit weg oder auch tagsüber statt. Ich bin voll berufstätig und will das auch nicht aufgeben.

Ich war heute wieder da und das schien fast gleichgültig zu sein, ich werde weiter alle 14 Tage hinfahren, mehr ist mir derzeit nicht möglich und es wird wohl mal wieder ein halbes Jahr dauern, so ein Schub ist nicht der erste. Sie hätte auch die Möglichkeit anzurufen, macht davon keinen Gebrauch.

Nette Grüße

Pepperona
 
Nase im Wind
pepperona schrieb:
Hallo Jonny,

vielen Dank für die Antwort.

Die Schübe bedeuten immer auch eine Persönlichkeitsveränderung und ich erlebe auch nicht, dass sie ruhig oder zufrieden ist, es kommt zwischendurch zu Zwangsmedikation, die Situation ist insgesamt unerfreulich.
Da entsteht automatisch eine Distanz.

Nette Grüße
Pepperona


Hallo Pepperona
Mit meiner damaligen Frau, ihrer Auswirkung der Erkrankung, hatte ich Glück. Dennoch wird sie, wie es aussieht, wohl lebenslang nicht aus ihrer Lage herauskommen. Das ist aber schon seltener.


Ja bei schwerer Erkrankung ändert sich auch nach den Schüben mitunter die Persönlichkeit, und deine Tochter macht jetzt einiges durch. Ich glaube, damit umzugehen ist am schwersten.
Es hat nicht viel Sinn zu spekulieren wann sowas aufhört oder wieder beginnt.

Ich hoffe, es wird bei deiner Tochter bald wieder besser. Wenn sie Schübe hat, dann gibt es dnanach immerhin erstmal „auch wieder“ eine andere Zeit. Jetzt geht nicht viel. Manches das sie sagt oder tut / oder nicht tut, solltest du jetzt nicht zu persönlich nehmen. Das tut dir nicht gut. Einige Erfahrungen wie sie in solch einer Phase ist, hast du doch.
Schon möglich das deine Tochter einiges nicht erfasst. Es kann auch sein, dass sie sich später an verschiedenes erinnert, was sie scheinbar nicht registriert. Bei manchen ist das so.


Es ist besser zeitlich soviel Abstand zu den Besuchen zu haben wie du brauchst, ohne Druck, damit du zwischenzeitlich auch zur Ruhe kommst. Dein persönlicher Abstand (der Bezug) zu deiner Tochter kann größer werden wenn du sie in kurzen Abständen besuchst und nicht gut verkraftest.

Das sie z.B nicht anruft kann vieles bedeuten doch kaum, dass sie nichts mit dir zu haben möchte. Außerdem muss sie sich vermutlich ein Telefon mit anderen teilen, im allgemeinen. Da wird es eventuell auch zu einer Hürde.
Ich selbst bin zurzeit in einer längeren Depression geraten. Kann im Internet surfen usw., aber jemanden anrufen ist so gut wie unmöglich obwohl ich es möchte (brauche sehr häufig Abwechslung). In guten „wenigen Minuten“ muss ich mich schnell entscheiden um gerade solche Kleinigkeiten zu bewerkstelligen. … Umgekehrt bin ich immer zu sprechen. Gut für mich ist, dass ich grundsätzlich nie schlecht gelaunt bin.
Wer das selber nicht erlebt hat kann es nicht nachvollziehen.


Kann ich verstehen das dir der weite Weg oder die Zeit für eine Angehörigengruppe zu viel ist. Wie in allen Gruppen, kann man sich nur etwas für sich herausziehen. Die Erwartungen sind oft andere. Bei aller Verschiedenheit der Geschichten dort, sind trotzdem viele Parallelen dabei. Ich erlebe das alles im Psychoseseminar.

Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
pepperona
Hallo Jonni,

danke für die Antwort. Ich nehme die Aussagen in dieser Zeit nicht ernst, wäre sie "bei sich", würde sie etwas anderes sagen.

Eigentlich folge ich meinen Gefühlen. Fahre also hin, wenn ich es will und die Kraft habe. Ich mag nicht daran zerbrechen, wie es dem Vater passiert ist. Er ist u. a. sicher deswegen auch psychisch erkrankt. Er konnte keine Grenze ziehen anfangs und heute geht er gar nicht mehr hin.

Einen Austausch mit Angehörigen würde ich mir auch gerne in einem Forum wünschen, wo Angehörige, Freunde und Bekannte von Schwerkranken wie meiner Tochter schreiben. Aber ich habe noch keines gefunden.

Auch hier schreiben relativ wenig Leute verglichen zu der Anzahl der kranken Leute in den zahlreichen Kliniken.

Herzliche Grüße

Pepperona
 
Nase im Wind
pepperona schrieb:
Hallo Jonni,
Eigentlich folge ich meinen Gefühlen. Fahre also hin, wenn ich es will und die Kraft habe. Ich mag nicht daran zerbrechen, wie es dem Vater passiert ist. Er ist u. a. sicher deswegen auch psychisch erkrankt. Er konnte keine Grenze ziehen anfangs und heute geht er gar nicht mehr hin.

Herzliche Grüße
Pepperona


Hallo Pepperona
Es gäbe so vieles zu sagen, aber die richtigen Worte dafür ...?; Der Vater sieht offenbar keinen gangbaren Weg für sich, kann dich nicht entlasten und eurer Tochter nicht unterstützen. Verdammt, so viele Möglichkeiten doch diese stehen auf dieser Welt nicht zur Debatte.
Jedenfalls sehe ich selber in eine Tiefe hinein die es für manch anderen nicht zu geben scheint, und musste damit umgehen lernen. Denn es lässt sich bei diesem Gradmesser schwer darüber austauschen, obwohl es ginge.
Deine Tochter hat Einblicke die sie selbst nicht oder kaum einordnen kann. Im trialogischen Austausch gibt es einen gewissen Konsens über diese These. Das unter der Oberfläche des Menschenseele ist unglaublich. Es ist sogar kommunizierbar.


An Vernetzung im Internet wird bereits gewerkelt. Nur, wer wird dort wirklich erreicht?
Dieses Forum wäre Ideal dafür. Die wenigen psychisch / seelisch Betroffenen hier, haben vorrangig mit sich zu tun.
Ob der Angehörigenverband psychisch Kranker (APK), oder andre organisierte u. engagierte Angehörige ein Forum eingerichtet haben. Heute werde ich mal auf die Seite gehen.

Würde mir auch wünschen, mehr psychisch Betroffene und ihre Angehörigen die ihre Erfahrungen austauschen.
Die Handvoll organisierter der Betroffenen (die schon was dabei erreicht haben) haben bereits einiges oder weitgehend überstanden und versuchen auf breiter Front sich für ihres Gleichen, leider noch zu wenig auch für die Angehörige, einzusetzen. Die Herausforderung ist groß, u. breit gefächert.

Jeder Anfang ist ein Beginn.
Jonny Wink
Bearbeitet von Nase im Wind am 17.10.2010 05:06
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