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NMDA-Amygdala-Modell und Therapieansätze
Robi
Als Angehöriger habe ich, wenn auch medizinischer Laie, einge ganze Weile im Netz gesammelt nach neuen Erkenntnissen zu Ursache und Therapie der Schizophrenie.

Anbei mein hoffentlich nicht zu längliches Fazit.

Ich hoffe, für den ein oder andern ist das eine hilfreiche und ermutigende Information. Würde mich über Feedback freuen.

Das NMDA-Amygdala-Modell

Die Amygdala (Mandelkern) ist ein entwicklungsgeschichtlich sehr alter und ziemlich eigenständiger emotionaler Kern des Gehirns, der Informationen aus der Aussen- und Innenwelt schnell bewertet und dann körperliche und geistige Reaktionen in Gang setzt.
Beispiele emotionaler Bewertung : Ein Geruch ist angenehm, ein Geräusch erschreckend, ein Gesicht freundlich oder feindlich u.ä.
Typische Reaktionen: Ändern von Herz- und Atemfrequenz, bei Gefahr Reduktion gerade nicht benötigter Gefühle (Schmerz, Hunger, Sex), Erhöhen des Dopaminlevels zur Steigerung von Aufmerksamkeit und Phantasie, Aktivieren der HHN-Achse (Hypophyse->Hypothalamus->Nebennierenrinde).
Neben dem sensorischen Input in die Amygdala (aus der Aussenwelt über Thalamus sowie aus der körperlichen Innenwelt durch Nervenverbindungen) kann auch der Cortex (Grosshirnrinde) die Amygdala direkt mit Informationen versorgen, die dann dort emotional angereichert werden und die weitere Verarbeitung im Cortex beeinflussen, z.B. ob die Information gemerkt wird , weiter darüber nachgedacht wird, schnell vergessen wird.
Dieser Informationsweg ist in der Evolution relativ jung, bei Nagetieren zum Beispiel nicht vorhanden. Er ist realisiert durch Glutamat als Neurotransmitter, der an NMDA-Rezeptoren der Amygdala andockt.
Die Bewertung der Informationen in der Amygdala erfolgt sowohl durch angeborene als auch durch erlernte Muster, die nach Erlernen (im negativen Fall Phobien, traumatische Erlebnisse) sehr stabil sind. Die Reaktion erfolgt meist schneller als eine bewusste Verarbeitung und kann praktisch nicht bewusst unterdrückt, aber unter Umständen in ihrer weiteren Dauer und Intensität durch Signale aus dem Cortex (Grosshirnrinde) beeinflusst werden.
Der Cortex ist in ähnlicher Weise auch in der Lage, den sensorischen Input aus dem Thalamus zu begrenzen, um sich vor einer Überlastung durch zu viele Informationen zu schützen.
Die NMDA-Rezeptoren kann man durch Drogen (Cannabis, PCP, „NDMA Antagonisten“) lahmlegen oder durch andere Stoffe in ihrer Wirkung verstärken (d-Cycloserin, Sarkosin, Glycin, D-Serin, „NDMA-Agonisten“).
Wenn man die NMDA-Rezeptoren lahmlegt, wird das Bewusstsein durch sensorischen Input überschwemmt, da der Thalamus ununterbrochen sendet. Ausserdem kann eine eventuelle Reaktion der Amygdala, z.B. eine Angstreaktion oder ein Stresszustand, nicht mehr durch Cortexsignale gebremst werden, und ohne diese dämpfende Rückkopplung kann es zu Panik, Dopaminüberschwemmung mit ausufernder Phantasie bis hin zu Psychosen kommen. Wenn die NMDA-Rezeptoren nicht voll arbeiten, ist auch die emotionale Bewertung kognitiver Inhalte beeinträchtigt, was sich auch ohne Stresssituation z.B. bei Konzentration, Lernen und sozialem Umgang negativ bemerkbar macht.
Umgekehrt führt eine Stärkung der NMDA-Rezeptoren zu einer besseren Kontrolle der Amygdala-Aktionen durch den Cortex. Man kann in diesem Zustand zum Beispiel Phobien sehr viel besser therapieren. Bei Ausschalten der NMDA-Rezeptoren ist allerdings die ursprüngliche Phobie sofort wieder da, denn durch die Therapie wird nicht die Reaktion der Amygdala geändert, sondern man lernt, die aufsteigende Panik durch den Cortex zu dämpfen.
Ohne den NMDA-Eingang bleibt zur Dämpfung der Amygdala-Reaktion noch der Weg, entspannende körperliche Signale zu provozieren, wie etwa Muskelentspannung und ruhige Atmung, und allgemein die stressenden Reize zu vermeiden. Oder man setzt mit Medikamenten bei den Auswirkungen an: blutdrucksenkende Mittel, Neuroleptika zur Senkung des Dopaminspiegels u.ä. Es bleiben dann allerdings die Symptome, die durch die fehlende emotionale Anreicherung der Cortex-Muster entstehen.
Bei der Schizophrenie spricht man von Positiv- und Negativsymptomatik. Positivsymptomatik in etwa Richtung Dopaminüberschuss und Psychose, Negativsymptomatik die fehlende emotionale Anreicherung mit Folgen zum Beispiel im sozialen Umgang.
Die Hypothese, dass Schizophrenie auf einem mangelhaften Funktionieren des NMDA-Eingangs beruht, erklärt beide Symptomatiken. Sie macht auch deutlich, dass die frühere Dopaminhypothese (zu hoher Dopaminspiegel) zwar nicht ganz falsch ist, aber einen Regelkreis zu spät ansetzt. Die darauf basierenden Therapien (verschiedene Generationen von Neuroleptika, die den hohen Dopaminspiegel durch Blockieren von D-Rezeptoren ausgleichen) wirken nur symptomatisch und bevorzugt auf die Positivsymptomatik.
Zurzeit ist es anscheinend noch nicht möglich, das Funktionieren der NMDA-Rezeptoren direkt zu messen. Es gibt aber eine Reihe von Beobachtungen und nachvollziehbaren Experimenten, welche durch das NMDA-Amygdala-Modell erklärbar sind.
Dazu einige Beispiel:
• Bei einem lauten Knall reagiert jeder Mensch (viele Tiere analog) u.a. mit einem spontanen Schliessen der Augen. Wenn man vor dem lauten Knall einen anderen Ton hört, kann man sich auf den folgenden lauten Knall einstellen und die Reaktion unterdrücken. Bei einer starken genetischen Disposition zur Schizophrenie (z.B. Zwilling eines an Schizophrenie Erkrankten) ist es nicht möglich, die Reaktion zu unterdrücken, ebenso wie bei den tatsächlich Erkrankten.

• Die Gabe des NMDA-Agonisten D-Serin hat in Doppelblindstudien zu einer signifikanten Besserung der Positiv- und Negativsymptomatik geführt (15% resp. 35% Verbesserung der Symptome, auch bei gleichzeitiger Neuroleptikatherapie. allerdings mit Ausnahme von Clozapine). Analog bei Einnahmen von Sarkosin (2g pro Tag). Neben den Studien gibt es hierzu auch positive Berichte Betroffener im Internet.

• Es ist bekannt, dass Cannabis einerseits NMDA-Rezeptoren blockiert, andererseits Psychosen auslösen

• Bei Einnahme der Droge PCP werden die NMDA-Rezeptoren blockiert; es stellt sich sowohl die Negativ- als auch Positivsymptomatik der Schizophrenie ein.

• Ein zu hoher Glutamatspiegel, der früher als mögliche Ursache für Schizophrenie vermutet wurde, ist im Rahmen des NMDA-Amygdala-Modells eher als Folge der mangelnden Funktion der Glutamat-Rezeptoren zu erklären.

• Die Tatsache, dass Psychosen in der Regel als Schub nach geraumer Zeit auftreten, meist ausgelöst durch eine Stresssituation, ist mit dem NMDA-Amygdala-Modell gut vereinbar (Vulnerabilität gegenüber Stress). Erst ab einem bestimmten Stresspegel reicht das verbleibende dämpfende Cortexsignal, das die Amygdala erreicht, nicht mehr aus. Die in Gang gesetzte Stressantwort (Dopaminpegel z.B.) führt zu weiterem Stress durch Konflikte mit der Umwelt und mit innerem Erleben, sodass insgesamt das System nicht mehr in den Ausgangszustand zurückfindet.

Konsequenzen
Die Ursachen des NMDA-Ausfalls sind noch nicht bekannt und es steht keine eindeutige Therapie zur Verfügung. Da ich das NMDA-Amygdala-Modell für die bisher überzeugendste Arbeitshypothese halte, leite ich persönlich daraus folgende Empfehlungen ab:
• NMDA-Agonisten einnehmen, solange das keine gravierenden Nebenwirkungen hat. Das ist meinen Informationen nach bei Sarkosin unproblematisch. Darüberhinaus ist Sarkosin vermehrt in normalen Lebensmitteln wie Eigelb oder Fleischbrühe enthalten. Zur Bioverfügbarkeit kenne ich keine Untersuchungen.
• Vorsichtshalber würde ich Gluten zumindest eine Zeitlang vermeiden. Wenn auch hier nur für einen kleinen Prozentsatz gesicherte Erkenntnisse vorliegen, könnte man ja dazu gehören.
• Den Umgang mit Stresssituationen lernen. Auf die Amygdala mit sanften Methoden (Muskelentspannung, Atmen, positiven Gedanken) rechtzeitig einwirken und erkennen, wenn die Dämpfung durch eigenes Tun nicht mehr möglich ist und sich psychotische Vorstellungen breit machen wollen. Notfallplan hierfür parat haben.
• Soziale Kontakte, da viele unbewusste Signale (Lachen, Mimik, entspannende Gespräche) die Amygdala in einem tendenziell ruhigeren Zustand halten
• Eigenständiges Leben, um Erfolgserlebnisse zu haben und dadurch mögliche Stresssituationen gelassener angehen zu können
• Neuroleptika soweit es nach diesen Massnahmen noch nötig ist.
 
Andreas
Hallo Robi,

deinem Fazit kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Was z.B. den Umgang mit Stresssituationen angeht, dafür kommt ja die kognitive Verhaltenstherapie ins Spiel.

Ich finde es sehr gut und empfinde es als sehr angenehm, dass du, als Angehöriger, dich mit diesem Thema beschäftigt hast und dich darüber informiert hast.

Ein weiterer Ansatzpunkt, damit es uns Betroffenen gut geht, ist Ruhe und ausreichend Schlaf. Dafür müssen nicht immer Psychopharmaka herhalten. Um Ruhe wieder zu finden genügt es in Anfangsstadien auch, erst einmal auf natürliche Mittel zurück zu greifen, wie z.B. Baldrian. Durch mehr Ruhe wird der "Stresspegel" auch gesenkt und man kann so frühzeitig auf eventuelle problematische Situationen reagieren. Dafür ist es allerdings notwendig, dass die betroffene Person weiß, warum, wieso und weshalb der Stresspegel angestiegen ist.

So viel von mir dazu.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Nase im Wind
Robi schrieb:
Als Angehöriger habe ich, wenn auch medizinischer Laie, einge ganze Weile im Netz gesammelt nach neuen Erkenntnissen zu Ursache und Therapie der Schizophrenie.
Ich hoffe, für den ein oder andern ist das eine hilfreiche und ermutigende Information. Würde mich über Feedback freuen.
Das NMDA-Amygdala-Modell

• Eigenständiges Leben, um Erfolgserlebnisse zu haben und dadurch mögliche Stresssituationen gelassener angehen zu können
• Neuroleptika soweit es nach diesen Massnahmen noch nötig ist.

Hallo Robi
Dein Beitrag finde ich recht interessant. Wenn ich vor zwanzig Jahren irgendwo so-etwass gelesen hätte würd' ich damals mich wohl in Fach-medizinischen Büchern hinein gelesen haben. Dein Beitrag zeigt auf, wo die eigentliche Fachkompetenz der Ärzte liegt. Wir z.B unter den erfahrenen der Betroffenen zeigen auf, wobei Ärzte nur spekulieren und unbewiesene Behauptungen aufstellen.

Wissenschaftler können mit Hilfe solcher Erkenntnisse Medikamente entwickeln die in ferner Zukunft relativ Punktgenau einsetzbar sind und somit die angrenzenden Regionen möglichst nicht unbeabsichtigt beeinflussen. Ärzte haben dann die Möglichkeit die Wirkungsweise von, hoffentlich gut geprüften, Medikamente im Alltagsbetrieb beobachten. Dagegen spricht grundsätzlich nichts. Trotzdem sollten Medikamente generell bewusst, als Alternative (nicht als zweitrangig) gesehen und angewendet werden.

Was ebenfalls und dringend in dem Kompetenz-Fachbereich der Wissenschaftlern gehörte, ist das Studium des sozialen Umfeldes um Konzepte zu erarbeiten wie ein therapeutischen Umfeld zur Genesung etabliert werden kann. Darauf sollte das Hauptaugenmerk liegen (Alternativ, die Medikation zusätzlich – natürlich nur freiwillig. Ausnahme hier kann eine herabgesetzte Selbstbestimmungsfähigkeit zur persönlichen Entscheidung sein).


Medikation nur als Aufbau- oder Erhaltungsdosis verstehen u. Anwenden (also nicht als vorrangiges Mittel) soweit dies erforderlich werden falls jegliche soziale Form von gezielt medizinisch angelegtem therapeutischen oder heimisch hilfreiches Umfeld nicht ausreicht, oder scheinbar wirkungslos bleibt.

Mit der Zeit wird sich mehr und mehr herauskristallisieren ob eine Medikation im Einzelfall (im Sinne einer Erhaltungs- oder Aufbaudosis) als erstes erforderlich ist. In der Aufnahmestation gehört ein Team bestehend aus einem Arzt, speziell ausgebildete zum therapeutischen Umfeld, und Genesungshelfer wie zB Erfahrene aus dem Betroffenenkreis u. Erfahrene Angehörige als Genesungshelfer. Der Arzt muss sich die Empfehlungen anhören um dann zu entscheiden, sofern nicht eine Aktsituation besteht wo der Arzt vorrangig ungefragt handelt.
Klinikaufenthalt als therapeutisches Umfeld gehört dazu. Pfleger u. Pflegerinnen müssen dafür generell geschult werden, und Genesungshelfer/innen sind fester Bestandteil dieses medizinischen Umfeldes.

Eine solche künftige Arbeitsumgebung kann geschaffen werden. Sie basiert auf dem Soteria-Prinzip.
Die derzeitige Ärzte-Ethik und das daraus resultierende nicht-soziale Handeln muss sehr kritisch beleuchtet und erneut überdacht werden – dringend.

Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Robi
Hallo Andreas, hallo Jonny,

danke für Eure Kommentare. Zu zwei der von Euch angesprochenen Themen würde ich gern mehr lesen:

- Kognitive Verhaltenstherapie (Andreas)
- Soteria-Prinzip (Jonny)

Könnt Ihr da Material im Web empfehlen?

Gruss,
Robi
 
Nase im Wind
Robi schrieb:
Hallo Andreas, hallo Jonny,

danke für Eure Kommentare. Zu zwei der von Euch angesprochenen Themen würde ich gern mehr lesen:

- Kognitive Verhaltenstherapie (Andreas)
- Soteria-Prinzip (Jonny)

Könnt Ihr da Material im Web empfehlen?

Gruss,
Robi

Hallo Robi
ich verweise mal auf eine Rubrik zum "Soteria" hier im Forum. Hab' da einiges an Text;
Im letzten Jahr habe ich mich im Forum zum Thema Soteria unter der Rubrik Psychose und Gesellschaft geäußert.
Meine Kritik den Betroffenen dort gegenüber, war Ark kritisch. Aus heutiger Sicht finde ich diesen Teil unangemessen.


Vielleicht interessiert dich noch die Internetseite zum folgenden Link;
S o t e r i a - N e t z w e r k
Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria (IAS)
www.soteria-netzw...

Jonny
Bearbeitet von Nase im Wind am 30.06.2010 02:51
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Robi
Nase im Wind schrieb:Vielleicht interessiert dich noch die Internetseite zum folgenden Link;
S o t e r i a - N e t z w e r k
Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria (IAS)
www.soteria-netzw...
Jonny


Ja, danke für den Link. Das finde ich nach meinen bisherigen Erfahrungen dringend nötig, ob als separate Einrichtung oder als Stiländerung in Kliniken.

Zu meiner Zusammenstellung oben möchte ich noch anmerken, dass die grossen Pharmafirmen Medikamente entwickeln, welche die Glutamatrezeptoren verstärken. Diese sind aber noch nicht freigegeben, zur Zeit laufen klinischen Studien (Phase II) meist in den USA. Einige Codenamen:

Merck: ADX63365
Roche: R1678
Ely Lilly: LY2140023

Ich denke das spricht dafür, dopaminhemmende Medikamente sehr restriktiv zu verwenden und Ansätze wie Soteria oder kognitive Verhaltenstherapie nicht zu vernachlässigen.

Und schliessllich wollte ich noch anmerken, dass ich persönlich denke, dass in der Evolution Menschen mit besonders hoher Sensibilität und viel Phantasie für das Überleben der Horde ganz wichtig waren und es ebenso noch heute für den geistigen Fortschritt sind. Das darf nur ein bestimmtes Mass nicht übersteigen, um die Erdung zur Realität zu behalten.
 
Andreas
Hallo Robi,

zur kognitiven Verhaltenstherapie kann ich dir eventuell Wikipedia empfehlen. Ansonsten lediglich nur noch Fachbücher, die allerdings sind recht preisintensiv.

Etwas anderes fällt mir so auf Anhieb nicht ein. Ich habe für mich selbst eine kognitive Verhaltenstherapie genutzt. Diese Therapie ging über ca. 2,5 Jahre. War also eine Langzeittherapie, mit recht gutem Erfolg.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Nase im Wind
Robi schrieb:
Nase im Wind schrieb:Vielleicht interessiert dich noch die Internetseite zum folgenden Link;
S o t e r i a - N e t z w e r k
Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria (IAS)
www.soteria-netzw...
Jonny


Ja, danke für den Link. Das finde ich nach meinen bisherigen Erfahrungen dringend nötig, ob als separate Einrichtung oder als Stiländerung in Kliniken.

Zu meiner Zusammenstellung oben möchte ich noch anmerken, dass die grossen Pharmafirmen Medikamente entwickeln, welche die Glutamatrezeptoren verstärken.

Ich denke das spricht dafür, dopaminhemmende Medikamente sehr restriktiv zu verwenden und Ansätze wie Soteria oder kognitive Verhaltenstherapie nicht zu vernachlässigen.

Hallo Robi
Ich sehe es auch so wie du, dass nur Menschen mit entsprechender Fantasie die Zukunft, immer wieder aufs neue, einleiten können.
Ausgewogene Fantasiefähigkeit und Realismus sind un-trennbar. Fantasiearmut im Umfeld trägt zumindest zur Überforderung sensorisch gelagerter Menschen bei. Jeder hat und braucht zeitweilig seine eigene Welt. Wenn es drauf ankommt ist es notwendig in einer gemeinsamen Welt sein zu können.

Was den vorsichtigen Einsatz von Medikation angeht sind wir beide einer Meinung. Ich will nicht Spitzfindig sein oder Wortklauberei betreiben, aber ich bin für das Hervorheben u. Ausbauen der Soteria-Elemente. Psychopharmaka wird dort nicht verteufelt oder verbannt.
Trotz der bisher nicht etablierten u. kleinen Soteriabereiche, stehen die Erfolge schon jetzt etwa Eins zu Eins gegenüber der Medikation. Natürlich lässt sich noch kein echter Vergleich anstellen, doch eine Steigerung im Soteria-System kann ich mir ausrechnen.


Meine Orientierung bzgl. zum Fachwissen beruht auch nur aus dem Internet.
Die Manipulation der Glutamatrezeptoren ist sehr heikel und lässt nicht viel Spielraum, weswegen meiner Meinung nach gutes, aktuelles u. flexibles Fachwissen unumgänglich ist. Naja, im Grunde gillt dies für jeden Eingriff in das natürliche System des komplexen Gehirns.

Bei all' meiner Faszination für das was möglich sein kann, stehe ich den Pharmakonzernen die Profit orientiert arbeiten, die natürlich unter Anderem zur teilweisen oder gefühlten Steigerung einer Lebensqualität beitragen, kritisch gegenüber.
Es ist logisch, dass die nicht an der Gesundung der Menschen interessiert sein können bzw. sie werden alles dafür tun die Menschen abhängig zu halten. Hinweise welche immer wieder auftauchen unterstützen dies.
Diese Tatsache kann sich allerdings jeder selber zusammenreimen. Wer ohne Medikation nicht auskommt, kann eigentlich nur daran glauben oder hoffen wollen das man es gut mit ihnen meint.
Hi, jetzt bin ich aber ein böser Bube - die armen Konzerne. Die einseitig - ideologisch u. rückständig eingestellte „Irren-Offensiv“ würde sich über diesen Absatz freuen.

Je mehr es möglich wird Psychopharmaka spezifisch wirken zu lassen desto näher liegt der Gedanke, dass unter diesen Umsteänden künstlich Nebenwirkungen eingebaut werden, und was erst nach Jahrzehnten eventuell beweisbar wird. Wenn das Eine funktioniert, dann gilt das ebenso auch für die Gegenrichtung.
Mit anderen Worten, Orientierung nach Profit in der Medizin, dient der Gesundheit gar nicht.

Psychopharmaka werden als Mittel zum direkten Eingriff in das Biologische System, niemals in der Gesamtwirkung ab-schätzbar sein. Die Ärzte mit ihrem heutigen Wissen sind, schon allein gemäß der Ärzte-Ethik, verpflichtet Medikamente als vorrangigen Glücksbringer für die Gesundheit auszuschließen, ohne die vorübergehende hilfreiche Unterstützung solcher Mittel im nötigen Fall, in Frage zu stellen. ... Die angemessene Verantwortlichkeit geht ihnen ab.

Die meisten Menschen gieren nach schnellem Ende eines Leidens. Leider geben Ärzte oft dem einfachen Wunsch nach der Beruhigungspille, allzu gerne nach. Dies ist eine bewusst etablierte Verantwortungslosigkeit.


Nachtrag 01.07.10
Zur Beruhigung: Ich möchte nicht unnötig Panikstimmung schüren. Derzeit und noch sehr - sehr lange wird es in der Pharmazie darum gehen Nebenwirkungen zu verringern. Ich denke, von staatlicher Seite werden bisher vermutlich nur die Grundsubstanzen geprüft, eventuell die Wirkungsweise in groben Zügen, und dann Frei gegeben.

Wenn es soweit ist das es gelingt die Wirkung der Psychopharmaka auf einen kleinen Bereich einzuschenken, dann wird ein verträglicher finanzieller Rahmen ermöglichen eine staatlich. Geführte Pharmazie zu betreiben. Die könnten eigene Herstellung auf spezifisch problematische Situationen beschränken.
Es wird eines Tages notwendig und bei angemessenen finanziellen Aufwand, einer staatlichen Pharmazie möglich sein die Produkte der Pharmaindustrie, im Detail selber zu testen um sie erst dann Frei zu geben falls ihrerseits, voraussichtlich keine Bedenken bestehen. … Das glaube ich.
Soweit hier erst einmal zum Schutz der Patienten in der Zukunft.

Jonny Wink
Bearbeitet von Nase im Wind am 01.07.2010 17:02
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Robi
Hallo Jonny,

stimme Deinen Gedanken mit ganz wenigen Einschränkungen zu.

Bei den Pharmakonzernen gibt es, denke ich, eine bestimmte Grenze, die wohl nicht überschritten werden wird. Weniger aus ethischen Gründen, sondern weil, wenn es publik würde, die Existenz des Unternehmens und die eigene Karriere auf dem Spiel steht.

Im April 2010 wurde AstraZeneca in den USA zu 520 Mio USD Strafe verurteilt, weil sie einige Nebenwirkungen von Seroquel nicht deklariert hatten (Diabetesrisiko z.B.). Falls sich einmal herausstellen sollte, dass man bewusst Nebenwirkungen in ein Medikament eingebaut hat, könnte das den Ruin bedeuten und die dafür Verantwortlichen hätten auch bei anderen Pharmaunternehmen keine Zukunft.

Es bleibt in jedem Fall, dass die Pharmaunternehmen am Absatz der Medikamente verdienen und nicht am Gesundwerden von Patienten. Von Ärzten sollte man eigentlich erwarten, dass sie strikt im Gesamtinteresse der Patienten handeln. Es gibt aber leider keine Soteria-Referenten, die die Ärzte regelmässig besuchen, als Sponsor von Kongressen auftreten, kostenlose Proben und bunte Prospekte verteilen usw.. Und wenn die Arbeit der Pharmarefernten keine Wirkung hätte, würden die Pharmaunternehmen wohl nicht das Geld dafür ausgeben.

Vielleicht kann man in Zukunft Sozialverbände, Krankenkassen, Rentenkassen stärker als Verbündete gewinnen, da diese ein Interesse daran haben müssten, mit ganzheitlichen Ansätzen (wie Soteria) etwas zum Wohl des Patienten zu tun. Denn ohne dass man Geldströme umlenkt aus den Taschen der Pharmaunternehmen in z.B. Träger von Soteria-Einrichtungen ist es schwer, in grösserem Stil etwas zu bewirken.

Ärzte, die ja durch ihre Verschreibungen ein Gutteil der Macht in Händen halten, sind meinen Erfahrungen nach ziemlich ängstlich, von der "Schulmedizin" abzuweichen Sad. Erst wenn die Soteria-Ansätze auch eine gewisse Autorität darstellen, werden sie sich trauen, Patienten in diese Richtung zu beraten und selbst an Kliniken etwas dafür zu tun.

Schöne Grüsse
Robi
 
Nase im Wind
Robi schrieb:
Hallo Jonny,

stimme Deinen Gedanken mit ganz wenigen Einschränkungen zu.
Bei den Pharmakonzernen gibt es, denke ich, eine bestimmte Grenze, die wohl nicht überschritten werden wird. Weniger aus ethischen Gründen, sondern weil, wenn es publik würde, die Existenz des Unternehmens und die eigene Karriere auf dem Spiel steht.

Schöne Grüsse
Robi


Hallo Robi
Danke, für diese wichtige Ergänzung oder auch Korrektur. Du hst recht, ich stimme dir vollkommen zu.
Besonders den großen Konzernen sind Grenzen gesetzt, haben zuviel zu verlieren. Solche Skandale können sie sich nicht leisten, und in der ferneren Zukunft noch weniger. Die Gefahr geht vielmehr von Splitterguppen aus die falsche Pillen anbringen wollen. Diese kann und sollte man wirklich meiden.

gruß,
Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
simon1234
Hi zusammen,

das Amygdala Model ist in jedem Fall sehr nah an den Problemen die man mit der Schizophrenie erlebt.

Ich möchte jedoch das Geschriebene um einige Forschungsansätze/ergebnisse erweitern. Es liegen z.B. schon Untersuchungen vor, die Erklären, warum der NMDA (ligandengesteuerter) Rezeptor inaktiv ist.

Es wurde in mehreren Arbeiten über Untersuchungen die ich gelesen habe von einer Überaktivität der Astrozyten im ZNS gesprochen. Es gibt jetzt mehrere Möglichkeiten, die Beschreiben können, warum es Probleme am NMDA-Rezeptor gibt.

Nr 1:
Astrozyten verstoffwechseln Kynurenin zu Kynureninsäure.
Kynureninsäure ist ein NMDA-Rezeptor und Alpha 7 Nikotinischer Cholinerger Antagonist. Der Alpha 7 NAChR soll u.a. ebenfalls an der Öffnung von NMDA Rezeptoren beteiligt sein. (Auch interressant: Alpha 7 hemmt die Produktion von verschiedenen Entzündungsbotenstoffen)

Nr 2:
Astrozyten bauen Neurotransmitter (u.a. Glutamat und Glycin ab.). Sowohl Glutamat, als auch Glycin (als ligand) werden benötigt um den NMDA-Rezeptor zu öffnen.

Es gibt noch eine Große Reihe anderer Forschungsergebnisse/Untersuchungen, die eine Beteiligung vom Immunsystem am enstehen der Schizophrenie erklären und mit den Beobachtungen am NMDA-Rezeptor übereinstimmen!
 
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