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Meine Mutter ist schizophren...
Gloria
hallo...
ich bin neu hier und weiss gar nicht genau wie und womit ich anfangen soll.
es ist so, dass meine mutter an schizophrenie erkrankt ist. wann genau die krankheit ausgebrochen ist, weiss ich nicht. schaetungsweise als ich gerade ins teenageralter kam. jetzt bin ich anfang 20.
durch die krankheit meiner mutter habe ich viel gesehen und erfahren. wir hatten furchtbare zeiten. verstanden dass sie krank ist, habe ich erst mit 18 jahren, als sie es mir erzaehlt hat. meine mutter hat mich von anfang an allein erzogen.
es faellt mir furchtbar schwer an meine zeit zu hause zu denken. meine mutter hat mich oft ur verweiflung gebracht. grundlos beschimpft hat sie mich oft, aus dem haus geworfen hat sie mich schliesslich auch. ohne nahrung zu hause allein gelassen. ach, ich mag kaum drueber sprechen.
ich wohne nicht mehr bei ihr zu hause, denn das ist unmoeglich. ich mache mir grosse sorgen um sie, gleichzeitig bin ich so wuetend auf sie. sie lebt einfach in einer anderen welt und andere leiden darunter. sie versteht zum beisspiel nicht, dass ich mein kindergeld brauche, sie will es mir einfach nicht geben. ich finanziere mir alles selbst, einfach ist es nicht. aber das interessiert sie nicht... ich bin es leid zu kaempfen fuer dinge die mir zu stehen...
am liebsten wuerde ich sie aus meinem leben und meinen erinnerungen ausradieren. andererseits wuerde ich mich so gern einfach nur mal in die arme meiner mutter werfen oder mal nach einem rat fragen. das kann ich aber nicht. das geht mit ihr nicht. wenn ich sie mal anrufe, geht es immer nur um sie. immer zu spricht sie von sich selbst und ihrer diagnose, ich bin es leid, kann es nicht mehr hoeren. ich fuehle mich vernachlaessigt. nun ja, das wurde ich ja auch. jetzt koennte man meinen dass ich endlich alt genug bin und mein leben eigenstaendig meistern kann... das tue ich ja auch, aber es fehlt was, oder es ist etwas nicht richtig. ich weiss nicht wie ich es beschreiben soll. ich fuehle mich so allein. ich haette so gern eine mutter die fuer mich da sein kann. ich habe richtige sehnsucht. ich bin oft traurig und weine auch. wie soll ich's hinkriegen ohne mutter, bzw. psychisch kranker mutter?
ich bekomme gaensehaut wenn ich an sie und ihren lebenstil denke. sie ist unhygienisch und es faellt mir sehr schwer das ueber meine mutter zu sagen. aber ist war. auch ihr zu hause ist nicht bloss unaufgeraeumt, es ist dreckig. sie macht nicht sauber. sie tut es einfach nicht. sie duscht nicht. und weil es eben so widerlich ist bei ihr zu hause, laedt sie auch niemanden ein. ansonsten geht sie normal arbeiten etc. wuerde eine fremde person sie frisch kennenlernen wuerde diese niemals glauben dass sie sich so gehen laesst.
ich fuehle mich furchtbar. ich moechte abschliessen. ich moechte einfach nicht mehr dass mich ihre situation so belastet, mag nicht mehr drunter leiden. ich weiss nicht was ich tun soll...

danke fuer feedback...
 
Andreas
Hallo Gloria,

es tut mir sehr leid so etwas lesen zu müssen. Ich kann dich sehr gut verstehen.

Ich denke aber, und das hast du auch schon selber geschrieben, dass Abstand, räumlicher und emotionaler, in deinem Fall sehr wichtig ist. Wie ich lese wird die Situation mehr und mehr zur Last für dich. So weit darf es nicht kommen. Die Gefahr dabei besteht darin, dass du eventuell selber erkrankst. Dies wäre für dich das Schlimmste, was passieren könnte.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht leicht ist das Leben, als junger Mensch, selber und ohne Unterstützung der Eltern, meistern zu müssen. Ich denke aber, wenn du diese Situation gut gemeistert hast, wirst du als eine sehr starke Persönlichkeit daraus hervorgehen.

Wenn du weitere Hilfen benötigen solltest oder mal persönlich Hinweise erhalten möchtest, so empfehle ich dir auch Angehörigengruppen. Es gibt einen Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker - http://www.bapk.de . Auf dieser Web-Site findest du auch Adressen und Links zu deinem, für dich zuständigen, Landesverband. Diese Landesverbände bieten die Gruppen an und sind nach den einzelnen Bundesländern gegliedert.

Ansonsten wären noch die Angehörigengruppen von Kliniken zu nennen. Auch psychiatrische Kliniken bieten Informationsveranstaltungen für Angehörige an, wo man auch Fragen stellen kann und über die eigenen Probleme sprechen kann.

So weit erst einmal mein Feedback. Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen.

Viele Grüße
Andreas
Bearbeitet von Andreas am 07.04.2010 09:40
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Tochter
Hi Gloria,
ich kann dir nachempfinden...
Ich kann dir auch nur raten... halten einen gewissen Abstand, auch wenn es deine Mutter ist.

Lebe DEIN Leben!
 
Nase im Wind
Gloria schrieb:
hallo...
ich bin neu hier und weiss gar nicht genau wie und womit ich anfangen soll.
es ist so, dass meine mutter an schizophrenie erkrankt ist. wann genau die krankheit ausgebrochen ist, weiss ich nicht. schaetungsweise als ich gerade ins teenageralter kam. jetzt bin ich anfang 20.

danke fuer feedback...

Hallo Gloria
Ich hätte mir bis ins erwachsenen Alter gewünscht von meiner Mutter in die Arme genommen zu werden, und zwar um meintet-willen, nicht weil sie es brauchte. So hielt ich Abstand so gut es ging da sie klammerte. Der eigentliche Wunsch aber bleibt. So war diese Situation in meiner Kindheit.


Als Angehörige machst du dir sorgen um deine Mutter. Lass' dies nicht dein Leben bestimmen. Vergiss nicht Sorge für deinen Lebensweg einzuplanen. Das beste was du für deine Mutter und zugleich für Dich tun kannst ist, sich vielseitig zu informieren und, vorrangig dein eigenes Leben zu leben.
Deine Mutter richtet sich ihr Leben ein und kann nicht anders als es so zu leben. Es ist ihre Welt.

Dein Vater scheint jetzt für dein Lebensweg keine Rolle mehr zu spielen. Sicher hast du ihn aus guten Grund nicht erwähnt oder es gibt keinen Grund mehr dafür. Für meinen Sohn könnte es vielleicht (hoffe ich) einmal die Hoffnung geben seinen Vater wieder zu bekommen.

Du bist jetzt 20, mein Sohn wird im Juni 12 Jahre. Er wuchs bei der, an Schizophrenie erkrankten Mutter auf u. Umringt von Betreuern der Mutter. Seit September 2010 ist er in einem Heim. Er hat die unbegründeten Ängste der Mutter übernommen die besonders gegen mich gerichtet sind. Nun kann ich nur hoffen, dass er zur Mutter Abstand gewinnt, sich Frei entscheiden lernt und mich als seinen Vater eines Tages Kennenlernen möchte. Denn nur dann kann ich beitragen die Wogen seines weiteren Lebens ein wenig zu glätten. Bis vor drei Jahren kämpfte ich um mein Kind, aber niemand wollte davon u. Von mir etwas wissen.

Manchen sieht man nur bei näherer Betrachtung oder regelmäßigen Umgang auf , was mit jemanden los ist.
Ich weiß nicht welchen medizinischen Status deine Mutter hat bzw. in wie weit der SPD u. Jugendamt Kenntnis haben. Du könntest mit Unterstützung des Jugendamtes, und des Sozial psychiatrischen Dienstes (SPD) erwirken dein „Dir Zustehendes Geld“ direkt überwiesen zu bekommen, ohne Einverständnis der Mutter.

Der SPD tut gegen hygienische Umstände in der Wohnung nur etwas falls eine Gefährdung für andere und für sie selbst bestehen, oder für Mitwohnende in der Wohnung, es nicht zuzumuten ist. Für das was du zu deiner Mutter schreibst muss dir nicht peinlich sein. Hier jedenfalls nicht, und auch sonst nirgends. Natürlich ist Klar wie das Umfeld reagiert.
In der Szene der Psychisch belasteten Betroffenen, sieht man einiges nicht so eng was die Hygiene angeht. Manches sieht schlimmer aus als es ist. Einiges ist dramatisch, anders erscheint dramatisch. Aber ich denke, so wie du es beschreibst müssten Kollegen deiner Mutter doch auch mal was merken. Vielleicht trauen sie sich nicht was zu sagen. Wenn deine Mutter beruflich am öffentlichen Arbeitsleben teilnimmt, sollte es schon mal jemandem auffallen.

Vielleicht findest du hier im Forum einige Anregungen oder Antworten für dich, auch aus dem bereits Geschriebenen.

Jonny
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