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Ich fühle mich oft so hilflos
Jule68
Hallo, ich bin neu hier im Forum.

Ich bin seit fast 10 Jahren mit einem Mann zusammen, der seit seinem 17. Lebensjahr den "Stempel" schizophren affektive Psychosen hat.

Er selber fühlt sich nicht krank und bezeichnet sich nicht als krank. Er wird auch oft wütend, wenn man ihn als krank bezeichnet. Er hat aber schon die Rente auf seine Psychosen, nur er erklärt sich seine Rente anders.

Eigentlich haben wir gute Zeiten gehabt. Aber seit zwei Jahren hat er sehr oft, d.h. alle 4 - 6 Wochen, Phasen, die länger andauern können. Z.B. ist er jetzt wieder seit Anfang Februar in einer solchen "Phase".
Diese Phasen zeichnen sich dadurch aus, dass er viel in Gedanken ist und somit schlecht ansprechbar, unruhiger und schneller wütend. Auch macht er Sachen, die anderen komisch vorkommen. Im Vordergrund stehen in solchen Phasen Baustellen; er ist halt gelernter Maurer- und Betonbauermeister. Oft ist er nachts auf Baustellen und "sieht dort nach dem rechten". Wahnvorstellungen und Halluzinationen hat er in solchen Phasen nicht.
Für mich ist es immer sehr anstrengend, wenn er wieder "anders" ist. Aber mir gelingt es nicht, mich länger zurück in meine Wohnung zu ziehen (Wir haben getrennte Wohnungen) und Kraft zu schöpfen. Wenn ich ihn alleine lasse, habe ich immer Angst, dass er wieder "etwas anstellt", was uns Kosten oder Ärger verursacht.
Ich war schon in Therapie, um mich "besser abgrenzen" zu können, aber die hat nichts genutzt. Voriges Jahr habe ich ich auch mal für drei Monate getrennt, aber ich bin dann doch zu ihm zurück gekehrt. Seit dem habe ich wieder 4 -5 Phasen von ihm mitgemacht.
Ich bin hilflos, weil ich nicht mehr weiter weiß.
Wenn ich mit ihm über seine "Phasen" rede, wird er wütend. Er glaubt mir oft nicht, dass er "anders" ist, auch wenn ich ihm es immer wieder beschreibe.

Eigentlich will ich mich nicht von ihm trennen, aber ich weiß manchmal nicht mehr weiter. Ich ertrage seine Phasen; werde immer mal wieder wütend oder sehr traurig. Ich hoffe nur, dass ich stabil bleibe, denn ich bin selber manisch-debressiv diagnostiziert. Ich bin aber selber schon länger stabil und arbeite auch halbtags.

Hat einer ähnliche Erfahrungen oder irgendeinen Tipp?

Viele liebe Grüße. Jule68
 
Andreas
Hallo Jule,

mit der Hilflosigkeit bist du nicht allein. Da du selber psychische Schwierigkeiten hattest oder hast, denke ich, dass du dich gut in die Situation deines Partners hineinversetzen kannst.

Wie du selber schon erwähntest, ist Abgrenzung ein wichtiges und gutes Mittel, um mit solchen Situationen umgehen zu können. Was aber auch wichtig ist, ist nicht deinem Partner zu widersprechen oder zu versuchen ihm klar zu machen, dass etwas mit ihm und seinem Verhalten nicht stimmt. Wie du selber schon erwähntest verärgert ihn so etwas. Vielleicht versuchst du ihm ganz ruhig und sachlich deine Sichtweisen der Dinge nmäher zu bringen, ohne ihn dazu zu überreden, deine Sichtweise als die Richtige zu akzeptieren. Gib ihm einfach nur Alternativen zu seiner Sichtweise. Vielleicht hilft dies ja schon weiter.

Ansonsten kann ich dir nur noch eine Angehörigengruppe in deiner Nähe empfehlen.

Viele liebe Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Nase im Wind
Jule68 schrieb:
Hallo, ich bin neu hier im Forum.
Ich bin seit fast 10 Jahren mit einem Mann zusammen, der seit seinem 17. Lebensjahr den "Stempel" schizophren affektive Psychosen hat.

Hat einer ähnliche Erfahrungen oder irgendeinen Tipp?
Viele liebe Grüße. Jule68


Hallo Jule68
Du, und der Andreas mit seiner Antwort habt das wesentliche gesagt.
Für mich ist krank sein Teil der Gesunderhaltung (oder auch, verarbeiten von Lebenseindrücken). Für dich ist es ein Einschnitt. Wer keine Symptome an sich selber erkennt wird sich das nicht anhängen lassen wollen. Zudem ist psychisch betroffen sein (im Volksmund, nicht ganz dicht), lange Zeit tot geschwiegen worden und gilt immer noch als was ungewönliches.
Ihm scheint seine Arbeit - das Geschaffene, sehr zu fehlen und wohl auch die Gemeinschaft der Kollegenatmosphäre. Wenn er sich bei Stille die Baustellen ansieht und sehnsucht hat, ist das völlig normal. Um die Leute darfst du dich nicht kümmern, die wissens nicht besser, sind verwundert weil sie mit sich selbst nichts anfangen können.

Jonny
Bearbeitet von Nase im Wind am 30.03.2010 17:35
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Jule68
Hallo Andreas, hallo Jonny,

danke für eure Antworten.

Abgrenzen ist wichtig. Das habe ich oft gehört. Ich könnte mich ja äußerlich abgrenzen und in meine eigene Wohnung gehen; ich habe aber dann immer Angst, dass er wieder etwas "anstellt". Meint ihr ich sollte doch öfter meine Wohnung aufsuchen?
Und wie ist das mit der inneren Abgrenzung. Oft gehen mir seine Vorwürfe und Gedanken so nahe; sollte ich denken, dass er halt so ist und mir das nicht so zu Herzen nehmen. Ist das Abgrenzen? Wisst ihr, ich weiß einfach nicht, wie ich mich Abgrenzen soll und was mit dem Wort gemeint ist.

Die Überlegungen von Jonny zu seiner Arbeit kann ich gut nachvollziehen. Ich denke auch, dass er seine Arbeit vermisst. Deshalb lasse ich ihn ja gewähren und rede nicht dagegen, wenn er nachts auf Baustellen geht. Nur tagsüber, wenn ich dabei bin, habe ich ein Problem damit. Dann gehe ich immer 100m weiter und warte auf ihn, bis er von der Baustelle zurück ist. Ich kann den Gedanken einfach nicht ertragen, dass er Ärger bekommt und will dann nicht dabei sein. Er weiß davon und findet das aber immer schade, wenn ich "wegrenne".
Ich würde mir so wünschen, dass es einen Arbeitsgeber gibt, der ihn so wie er ist einstellt und ihm bei angemessener Bezahlung ein sinnvolle Aufgabe gibt. Aber wo gibt es so einen Arbeitsgeber in der freien Wirtschaft? Es ist schlimm für meinen Freund, dass es so viel Arbeit gibt auf Baustellen und so viel falsch dort gemacht wird, ihn aber keiner braucht. Mich macht das immer so traurig.
Ist das nach eurer Meinung falsch, dass ich wegrenne, wenn er tagsüber auf Baustellen geht?

Auch finde ich gut, was Jonny sagt, dass ich um die Meinung anderer mich nicht scheren soll. Das versuche ich, fällt mir aber manchmal schwer; insbesondere, wenn er mit mir ungepfegt mit kaputten Sachen durch die Stadt läuft. Aber ich kann ihn so schlecht motivieren, sich netter zurecht zu machen.

Ich bin dankbar durch ihn einen anderen Blick auf diese Welt bekommen zu haben. Das macht mich stark gegenüber anderen Leuten. Denn das, was die anderen für normal halten, ist doch in vielen Fällen nicht normal, sondern eigentlich "verrückt". Und er ist so sensibel, dass er Vieles davon "entlarvt".

Manchmal denke ich auch, dass er diese Phasen braucht, um mit der Ödness, den ganzen Enttäuschungen, der Langeweile und den menschlichen Katastrohen drumherum zurecht zu kommen. Aber wie schaffe ich es, dann nicht immer so belastet zu sein?

Viele liebe Grüße. Jule
 
letzte Hoffnung
Hallo Jule,

ich schreibe dir als Angehöriger. Meine Frau leidet seit 16 Jahren an Psychose aus dem Schizophrenen Formenkreis.

Natürlich kann ich mich als nur "Angehöriger" nicht in die Gedanken und Körper betroffener hineinfühlen.

Ich habe eingentlich nur eine Frage, ist den Mann eigentich in Behandlung ?

Meine Erfahrung ist, das es besser ist wenn Hilfe von außen kommt.

In Phasen von Rückfällen wurde das Verhältnis zwischen meiner Frau und mir immmer wieder auf sehr harte Proben gestellt wenn wir über ihre Krankheit geredet haben.

Mir hat es immer sehr gehelfen wenn Hilfe von außen - vom Krankenhaus gekommen ist.

Wahrscheinlich will dein Mann nicht in ein Krankenhaus. Viele Krankenhäuser bieten aber auch ambulante Hilfe an.

Wäre das vielleicht etwas für euch?


Viele Grüße

letzte Hoffnung
 
Nase im Wind
Jule68 schrieb:
Hallo Andreas, hallo Jonny,

Manchmal denke ich auch, dass er diese Phasen braucht, um mit der Ödness, den ganzen Enttäuschungen, der Langeweile und den menschlichen Katastrohen drumherum zurecht zu kommen. Aber wie schaffe ich es, dann nicht immer so belastet zu sein?

Viele liebe Grüße. Jule


Hallo Jule
Diesen Situationen gelassener begegnen (anders umgehen) ist schon möglich. Hat weniger mit Abgrenzen vom Partner zu tun, als vielmehr innerlich Abstand zu den Ereignissen gewinnen (auch unwichtiges klarer vom wichtigeren abwägend auseinander halten).
Werde mich jedenfalls hüten als Laie einige meiner Bewältigungstheorien hier aufzustellen. Ich kann bei weitem nicht behaupten meinen Lebensverlauf wirklich in den Griff zu haben.

In den Ex-In-Kursen sehe ich eine Möglichkeit Abstand zu gewinnen, aber ist noch nicht das Gelbe vom Ei (Dieses Kursangebot ist noch recht neu und mus siech noch durchsetzen. Da werden Genesungshelfer ausgebildet. Bisher nur für Betroffene angeboten, soll sich aber ändern. Ich denke, dass sich dieser Kurs vom ausbildenden Teil abkoppeln ließe. Für mich ergibt sich bald eine Gelegenheit einen solchen Vorschlag anzubringen. Das wäre "die Idee", falls sie aufgegriffen würde. So was kostet leider immer Geld.


Ja, Abgrenzen ist ein Wort das leider wenig angesprochen wird. Danke für den Hinweis. Es sollte zum eigenen Thema werden. Ich sage immer etwas dazu wenn es im Psychoseseminar aus den Aussagen heraus oder einem Thema, sich ergibt.

Für mich ist Abgrenzung in erster Linie, dass ich sage weshalb ich etwas nicht mitmache oder etwas anders mache. "Und handle auch danach". Falsche Rücksichtnahme hilft niemandem weiter, ist für manche nicht so erkennbar.
Jede Entscheidung hat seine Konsequenzen. Manchmal kann man es nur drauf ankommen lassen.
Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu sehr als typisch Mann rüber komme. Es sind einfach meine Erfahrungen.

Wenn du dich in deine Wohnung zurückziehen musst um dich zu sammeln, dann tue es. Du kannst nicht alles und zu jeder Zeit verhindern. Nicht Mal wenn du immer präsent bist. Er muss da durch.

Abgrenzen soll nichts erzieherisches haben, dies grenzt an Erpressung. Muss aber jeder selber entscheiden. Manchmal hilft das ungewöhnlichste. Sensible durchschauen Tricks.
Sich Abgrenzen heißt eigentlich, sich selbst treu sein oder sich schützen - der eigenen Überzeugung folgen. systematisch verstandesmäßig mich abgrenzen würde ich selbst nur in meiner Not tun. Allerdings kann ich recht gut auf mein Gefühl vertrauen. Ich folge dem was mir wichtig ist, notwendig oder möglich scheint.

Jeder muss auf die eigene Gesundheit achten. Was ich schaffe ohne dauernden schaden davon zu tragen, das tue ich. Ich habe als Mensch eigne Grenzen.Habe/ nehme mir jedes Recht mich zurückzuziehen falls ich es brauche. Anders gesehen, kann ich nicht mehr unterstützend sein wen ich mich überfordere, muss also auf mein Wohlergehen achten.

Einige Gründe für Abgrenzung können in verschiedenen Situationen für alle gelten. Aber auch spezifisch wenn man jemanden gut kennt. Ich z.B würde mich nicht erpressen lassen falls die Drohung käme wie; wenn du da nicht mitmachst dann gehe ich (Erpressung bis zum Äußersten geht). Diese Art hat viele Facetten. Das Risiko gegen zu halten, gehe ich ein.


Nicht um andre kümmern;
Leicht gesagt.
Am Anfang war es mir etwas peinlich als meine Frau im Bus anfing auf Menschen mit bösen Stimmen zu schimpfen die kein anderer hört u. sieht. Hab' sie aber abgeschirmt vor denen die sich lustig machen wollten, und signalisierte das sie zu mir gehörte. Dann fühlte ich mich über den Dingen stehend und als Sieger. So blieb es.

Mit jemanden einen Ort betreten der mir gesetzlich mächtigen Ärger einbringt würde ich auch nicht. Wenn aber nicht, sehe ich keinen Grund abseits zu bleiben. Keiner von Außen weiß, dass ihr dort nicht hingehört.
Ich weiß nicht was u. wie er von seiner damaligen Arbeit oder dem Handwerk spricht, oder in wieweit du dich da auskennst. Könnte eventuell ein Weg sein darüber miteinander ins Gespräch kommen.
Es ist sicher schwer, kaum etwas anderes miteinander zu unternehmen. Mal zur Abwechslung etwas das Du möchtest, wenn auch in grenzen, soweit möglich.

Wenn dein Freund nicht so ordentlich, oder auffällig gekleidet ist, so ist dies grundsätzlich kein Mal-hör. Klar kommen gemischte Gefühle des peinlich berührt Seins auf weil man so erzogen ist, oder eventuell schief angeblickt wird. Da kann man hineinwachsen, muss aber niemand können. Er hat ganz andere Sorgen, kann sich den Gepflogenheiten der Gesellschaft jetzt nicht anpassen. Er wird es nicht lange durchhalten wenn er dir unbedingt den gefallen tut.
Du musst nur einen Weg für dich wählen den du gehen kannst oder möchtest. Was ich hier schreibe sagt nur aus, dass deine Entscheidungen letztlich bei dir liegen und immer OK sind, selbst wenn du dich dabei irrst.

Beschimpfungen u. ähnliches von Seiten des Betroffenen sind Angehörige öfter ausgesetzt. Will sagen, es ist eine der noch großen Herausforderungen in Familien, damit umzugehen.
In Soteria-Einrichtungen, wo auch Angehörige und Betroffene, die Betroffenen in Krisen unterstützen bzw. betreuen, sind sie dem und anderes, öfter ausgesetzt. Sie leben jedoch nicht mit ihnen zusammen.

P.s.
Schuld- u. Schamgefühl ist eines der zentralen Themen die immer noch viel Gespräch und Klärung bedürfen.

Gruß,
Jonny Wink
Bearbeitet von Nase im Wind am 06.04.2010 06:41
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Jule68
Hallo letzte Hoffnung,

mittlerweile lehnt mein Freund jede Behandlung ab.

Hat er sich voriges Jahr noch darauf eingelassen, regelmäßig einen Psychiater zu besuchen, tut er dies nun nach weiteren Enttäuschungen nicht mehr.
Ich kann ihn quasi zu gar keinen sogenannten Hilfemaßnahmen mehr bewegen: keinen Psychologe, keinen Psychiater, keine Klinik, keine Hilfe zum selbständigen Wohnen, keine Selbsthilfegruppe, einfach nichts. Nach den langen Jahren, die er mit der Psychatrie zu tun hatte und nach den vielen Enttäuschungen kann ich es zum Teil auch verstehen, obwohl ich als Betroffene anders damit umgehe.

Auch eine Paartherapie, die ich mir gewünscht hätte, lehnt er ab.

Er merkt halt nicht, wenn er für mich "anders" ist (Psychiater würden wohl von Psychosen reden). Ich kann ihm das noch mit so vielen Worten und Beispielen beschreiben, er will oder er kann es nicht annehmen. Deshalb begreift er ja auch nicht, dass dies Situationen sind, die mich belasten.

Trotz allem mag ich ihn sehr und will mit ihm zusammen bleiben.
Ich denke einfach, das ich weiterhin versuche, mir Hilfe zu suchen. Einen anderen Weg sehe ich zur Zeit nicht.

Liebe Grüße. Jule
 
Nase im Wind
Jule68 schrieb:
Hallo letzte Hoffnung,
mittlerweile lehnt mein Freund jede Behandlung ab.
Trotz allem mag ich ihn sehr und will mit ihm zusammen bleiben.
Ich denke einfach, das ich weiterhin versuche, mir Hilfe zu suchen. Einen anderen Weg sehe ich zur Zeit nicht.
Liebe Grüße. Jule


Hallo Jule
Wenn eine Verbindung möglichst bestehen bleiben soll kannst du als ersten nur für dich etwas tun. Du kannst Wege für euch versuchen die dir einfallen. Der wirksamste u. wichtigste Selbstschutz ist für mich, sich nicht zum Opfer machen. Es könnte so weit gehen das man sich trennt, oder anders herum sogar keinerlei Probleme hat mit dem wie die Beziehung sich gestaltet.
Ob sich etwas erhalten lässt und sich nach den Wünschen ändert lässt sich letztlich immer nur noch hoffen, und die Dinge möglichst auf sich zukommen lassen und entsprechend damit umgehen. Das versuche ich zumindest


Hier mal meine Beziehungs-Geschichte.
Als ich und meine damalige verlobte uns entschlossen zu heiraten (sollte nun mal der Bund fürs Leben für uns sein) stellte ich an Sie eine einzige Bedingung; sie müsste weiterhin an einer Therapie teilnehmen. Während dessen hatte ich meine Therapie in der gemeinsamen Therapiegruppe beendete.
Ich weiß nicht wieso mir so was einfiel. Heute würde ich auf so eine Idee nicht kommen. Für meine Frau war das selbstverständlich. Hätte sie es abgelehnt wäre ich wohl eine Woche lang damit beschäftigt gewesen und wäre' bestimmt von dieser Bedingung abgerückt. Eine Therapie garantiert keine Verbesserung. Sie ist nur eine berechtigte Hoffnung.

Eine Beziehung, ganz so wie sonst üblich war es nicht gerade. Später kam eine Weile noch unbegründete Eifersucht über sie. War nicht einfach für mich, denn so etwas kränkt mich tief. Die verzweifelte Eifersucht legte sich dann wieder.
Sie versuchte mir immer auf ihre weise zu zeigen was ich ihr bedeute. Umarmungen von ihrer Seite kamen eher selten und nicht gerade mitreißend. Sie vermittelte mir mehr sowas wie Dankbarkeit, dass war es teilweise auch. Umarmungen gingen fast immer von mir aus. Zu gesunden Zeiten hätte sie mich nicht einmal von hinten angesehen.
Sie freute sich über jede Kleinigkeit riesig, über alles was ich ihr schenkte (ich hatte nicht viel Geld, aber alles war Ausdruck meiner Liebe). In diesen Augenblicken umarmte sie mich Innig. Mich entschädigte das jedes mal für die sonstige vergebliche Hoffnung auf häufigere Umarmungen.
Allerdings hatte sie mir nie böses unterstellt oder so. Ich war damals ziemlich der einzige dem sie wirklich vertraute.


Nebenbei erwähnt;
Andere Umstände führten dann doch zu einer Trennung durch Einmischung von Außen. Ich weiß nicht ob es hätte sein müssen. Jedenfalls hätte ich es damals abwenden können. Ich hielt es aber für Notwendig und bin eigentlich schon überzeugt das es sein musste. Nach der Sorgerechtsbestimmung war es das Unglück für uns alle drei. In Deutschland bin ich als Vater sehr wenig wert, und offensichtlich auch das Wohl des Kindes ist damit unwichtig.


Wenn wir Menschen zu eines gezwungen sind dann ist es, den eigenen Überzeugungen zu folgen. Selbst wenn sie Irrwege sind (nach allgemein menschlichen Verständnis).

Jonny
Bearbeitet von Nase im Wind am 06.04.2010 17:02
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Jule68
Hallo Jonny,

du hast vollkommen recht damit, dass auch mein Freund sehr sensible ist und auf Erpressungen und Tricks mit viel Wut oder schrägen Handlungen reagiert, weil er sie durchschaut. Ich möchte mit meinen Abgrenzungversuchen íhn auch nicht zu irgendetwas bewegen, sondern nur mir selber gut tun und stabil bleiben. Deshalb ist das wichtig, was du erwähnt hast, nämlich ehrlich sagen, warum man etwas nicht mit macht oder anders macht als er möchte.

Ich möchte ihn auch nicht unter Druck setzen, denn es ist zum einen nicht mein Ding und zum anderen reagiert er auch hierauf mit Wut oder schrägen Handlungen. Das ist nicht unser Weg.

Leider kann ich ehn in solchen Phasen auch von irgentetwas überezeugen; so kann ich mir nur gerecht werden, indem ich ihm meine Meinung sage, aber es dann dabei belasse.

Mir treu bleiben. Ja, das ist wichtig. Meine Bedürnisse spüren und äußern. Und meine Bedürfnisse auch öfter mal verwirklichen, auch wenn er dagegen ist und erstmal mit Wut reagiert. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass er erstmal mit Wut reagiert und mir Vorwürfe macht, aber mir dann nicht lange böse ist. Nur seine zu erwartende Wut und seine zu erwartenden Vorwürfe halten mich immer noch oft davon ab, meine Bedürfnisse zu äußern und dann auch zu leben. Z.B. mich mal mit einer Freundin zu treffen o.ä.. Aber auch da sehe ich, dass ich schon kleine Fortschritte gemacht habe.

Ich habe auch erlebt, dass man versucht hat, mich in meinen Entscheidungen zu beeinflussen. Meine Mutter und auch die ein oder andere Freundin würden es lieber sehen, wenn ich von meinem Freund getrennt bin. Sie sorgen sich halt um meine Stabilität. Und in Phasen, in denen ich gezweifelt habe oder mich kurzzeitig getrennt habe, habe sie immer versucht mich massiv gegen ihn zu beeinflussen.
Aber du hast recht, ich muss einen Weg für mich wählen, auch wenn es sich raus stellt, dass ich mich geirrt habe und der Weg nicht gut für mich war.

Ja, ich wünsche mir mehr Gelassenheit. Auch da gebe ich dir recht. Auch da bin ich noch auf der Suche, wie ich mehr Gelassenheit finde.

Danke jedenfalls für deine Gedanken und Anregungen.

Viele Grüße. Jule
 
Nase im Wind
Jule68 schrieb:

Hallo Jonny,
Ich möchte ihn auch nicht unter Druck setzen, denn es ist zum einen nicht mein Ding und zum anderen reagiert er auch hierauf mit Wut oder schrägen Handlungen. Das ist nicht unser Weg.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass er erstmal mit Wut reagiert und mir Vorwürfe macht, aber mir dann nicht lange böse ist. Nur seine zu erwartende Wut und seine zu erwartenden Vorwürfe halten mich immer noch oft davon ab, meine Bedürfnisse zu äußern und dann auch zu leben.
Z.B. mich mal mit einer Freundin zu treffen o.ä.. Aber auch da sehe ich, dass ich schon kleine Fortschritte gemacht habe.
Ja, ich wünsche mir mehr Gelassenheit. Auch da bin ich noch auf der Suche, wie ich mehr Gelassenheit finde.

Viele Grüße. Jule


Hallo Jule
Ich habe so manches nicht im Griff, dennoch bin ich, gerade in verzwickten Momenten gelassener als sonst. Das hält mich nicht davon ab Verärgerung auszudrücken bzw. genau deshalb habe ich den Mut u. Kraft Verärgerung mitzuteilen.
"Nein" sagen wenn ein "Nein" gemeint ist, damit scheinen viele nicht umgehen zu können. Ist ja mit der Gefahr verbunden etwas zu verlieren. Aber was verliere ich dabei? Kann ich damit auch etwas gewinnen?


Du steuerst vielleicht auf eine eigene Krisensituation zu. Klartext ist spätestens dann erforderlich wenn das eigene Wohl gefährdet ist. Ob eine entsprechende Gegenreaktion jedesmal nötig ist kann man nur für sich entsheiden. Für mich hat mein Gefühl meisens vorrang wenn ich unbedingt was loswerden muss.

Ich sehe ja immer die Situation für beide Seiten. Aber mal auf dich beziehend; Wenn einer Wut oder Angst nicht verspürt ist es ja gut. Kannst du auch wütend werden in seiner Gegenwart, wenn du wütend bist? Oder ihm sagen dass es dir Angst mach, kränkt usw.? Möglich dass er nicht gleich versteht, das wird kommen. Falls nicht liegt es bei dir ob es für dich so geht. Mögliche Wege zum Erfolg gibt's einige.

Gelassener werden beinhaltet auch jemanden entgegen zu treten (trotz eventuell flauem Gefühl dabei), sei es auch nur um jemanden aus seinem Verharren herausreißen zu wollen (Da ist man manchmal erst einmal der Feind). Solange dein Freund nur mit Worten Wut ausdrückt hast du viele Möglichkeiten.
Manche reagieren leider anders, dann aber lohnt sich die Beziehung nicht. Es sei denn es ist OK für denjenigen der es erträgt, zu ertragen bereit ist und keinen Schaden behält, diese gibt es auch.

In seinen Vasen kann er „eventuell“ nicht anders sein. Aber während der Lichtblicke ist es möglich für solche Vasen vor zubauen. Klappt meistens nach einiger Zeit. Wenn jemand immer sofort auf brausend wird ist das zermürbend. „Es muss aufhören“, sonst reiß er dich mit rein. Ich will dir keinen guten Rat geben; dein Freund aber muss sich Klar werden das es auf Dauer so nicht funktioniert.

Mal mein beliebtes Fantasiebeispiel:
Was habe ich davon wenn mir jeden Morgen ein gereizter Nachbar im Flur eine Schelle haut und dann jeden am Abend mit einer Flasche Wein kommt um sich zu entschuldigen. Falls jemand hinter mir her jagen würde hätte ich Verständnis dafür dass er meint es tun zu müssen. Ich werde ihn deswegen jedoch möglichst nicht zum Zuge kommen lassen.


Die Kontakte die du hast solltest du dir nicht nehmen lassen. Du verlierst mehr als dein Freund sich vorstellt. Er muss schon auch begreifen dass er dir und der Beziehung schadet – und für sich eine Lösung suchen, zu lernen nicht so unfair u. verärgert zu reagieren. Das geht.
Wenn er mit sich selbst nichts anfangen kann, sollte es doch nicht so sein dir deine Möglichkeiten zu beschneiden. Wer bist du für ihn wirklich? Sicher kam ihm dieser Gedanke lange nicht weil er irgendwie nicht darauf kam. Gut wäre es sich, den Grund der Beziehung bewusster zu werden.
Das sollte, soweit er kann, sich selbst kritischer überlegen. Auch um selber den Kreislauf für sich verändern zu können.
Ich verstehe das er Angst hat allein da zu stehen – aber ist er nicht bereits allein selbst wenn du bei ihm bist und dich um ihn kümmerst? Er will doch auch etwas von dir, und wenn du dich schlecht fühlst wegen seinem Verhalten dir gegenüber, dann hat er nicht viel von dir.

Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
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