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Ich weiß nicht mehr weiter ...
Sara
Hallo,
Ich bin neu in diesem Forum... Mein Mann ist seit ca. 7 Jahren an Schizophrenie erkrankt und hat schon häufiger akute Phasen mit Klinikaufenthalt, freiwillig und nicht freiwillig, erlebt. Nachdem er relativ lange ca. 1,5 Jahre relativ Beschwerdefrei war unter Anwendung von Invega, hat er seit Dezember einen Rückfall und befindet sich zur Zeit wieder in einer akuten Phase. Da das Invega nicht mehr geholfen hat, wurde er jetzt auf Risperdal 4 mg umgestellt. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass das recht gut geholfen hat, aber jetzt denke ich, dass er eine höhere Dosierung oder noch ein zusätzliches Medikament bräuchte. Das Problem ist, dass er gar nicht krankheitseinsichtig ist und der Meinung ist, dass Medikamente überhaupt nicht helfen. Er geht zwar ab und an zum Arzt, schildert diesem aber nicht die gesamte Problematik, da er die Ursachen seines Verfolgungswahnes nicht auf die Krankheit zurückführt sondern darauf, dass er vom Verfassungsschutz überwacht wird. Demnach schreibt er lieber Emails an den Verfassungsschutz oder die Polizei oder an Politiker, dass diese aufhören sollen in zu überwachen. was ihm sicherlich in dem Moment auch kurzfristig hilft, aber langfristig ist das ja keine Lösung. Ich habe furchtbare Angst, dass er sich selber total schadet und nicht mehr zurückfindet in die "normale" Realität. Wir haben ständig Diskussionen, darüber dass er die Medikamente regelmäßig nimmt oder ggf sogar noch andere Medikamente nimmt, aber er ist da wenig einsichtig. Ich finde es sehr schwierig, dass alles so laufen zu lassen und zu hoffen, dass er die Kurve von alleine bekommt. Vor einigen Jahren war ich auch mal bei einer Angehörigengruppe, die haben mir aber auch nicht wirklich geholfen, da das meistens Eltern mit betroffenen Kindern sind. Da sind die Verhältnisse ganz anders und das kann man auf meine Situation gar nicht übertragen. Ich bin seber schon ganz fertig mit den Nerven und weiß gar nicht mehr wie es weiter gehen soll.


Sara
 
Andreas
Hallo Sara,

Sollte sich der Zustand von deinem Mann nicht in nächste Zeit bessern, wäre eventuell daran zu denken, ihn stationär behandeln zu lassen. Also ein erneuter Klinikaufenthalt.

Ich habe eine Zeit lang Risperdal in Kombination mit Haloperidol eingenommen. Vielleicht sprichst du aber auch mal mit seinem behandelnden Arzt über die Problematik.

Wenn dir eine Angehörigengruppe nicht viel weiterhelfen konnte, weiß ich im Moment auch nicht wirklich wer dir eventuell noch helfen könnte, um mit der Situation besser umgehen zu können.

Ab und an aber, finden in psychiatrischen Kliniken Veranstaltungen für Angehörige statt. Eine andere Möglichkeit wäre eventuell auch eine Trialog-Gruppe (Psychose-Seminar) in deiner Nähe. In diesen Trialog-Gruppen kommen Betroffene, Angehörige und professionelle Mitarbeiter aus dem psychiatrischen Bereich zusammen.

Ansonsten kann ich dir nur den Hinweis geben, nicht alles persönlich zu nehmen, wenn sich dein Mann merkwürdig verhält und versuche Abstand zu dieser Situation herzustellen. Damit meine ich emotionalen Abstand, ansonsten gehst du daran kaputt. Es ist nicht leicht für Angehörige den Partner so zu erleben.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Jule68
Hallo Sara,

ich kann diene Situation gut nachempfinden.

Auch mein Freund ist schizophren diagnostiziert und wie man so sagt "krankheitsuneinsichtig". Er nimmt zur Zeit etwas Solian (durchschnittlich 75mg), aber eher, weil er Angst davor hat, dass ich mich wieder trenne. Meinen Vorschlag in Phasen, wo ich ihn als "anders empfinde", mehr zu nehmen oder mit mir zum Arzt zu gehen, lehnt er strickt ab.
Ich ertrage seine "Phasen", habe aber Angst, dass ich instabil werde.

Ich habe so oft mit ihm über seine Phasen geredet. In guten Zeiten kann er manchmal Teile von dem verstehen, was ich so erzähle; ich schlechten Phasen wird er nur einfach wütend. Und wenn ich in guten Phasen ihn frage, was ich machen soll, wenn er wieder "anders" ist, sagt er: "Rede mit mir." Aber das geht einfach nicht, wenn er schlecht drauf ist.
Wie reagiert dein Mann, wenn du mit ihm über seine "Phasen" redest?

Oft lasse ich ihn auch seine "unsinnigen" Sachen machen, habe aber immer Anst, dass wir deswegen Ärger bekommen. Ich sage ihm das auch, dass ich Bedenken habe, aber er macht diese Sachen dann trotzdem.

Wie du habe ich Angst, dass er sich selber mit seinen Aktionen schadet; insbesondere, dass sich auch die letzten Freunde von ihm abwenden. Sein Vater, z.B., hat sich schon abgewendet.

Ich war auch schon bei einer Angehörigengruppe, aber da sind oft nur Eltern von Betroffenen. Die können mir oft nicht helfen. Und mein Freund hat ja auch nicht diese klassischen Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.

Ich weiß wie du nicht weiter. Ich will ihn nicht wieder verlassen, aber es belastet mich so. Er ist ja auch nicht in diesen Phasen der Mensch, in den ich mich verliebt habe. Z.B. habe ich deshalb Probleme beim Sex mit ihm.

Ich habe dieses Forum im Internet gefunden und deinen Eintrag; da habe ich gedacht, dass man sich vielleicht einfach mal hier austauschen kann.

Ich ertrage einfach nur. Manchmal werde ich sehr wütend ihm gegenüber. Das tut ihm nicht gut, aber ich kann dann einfach nicht anders. Machmal bin ich auch nur am Heulen. Beides, wütend sein und heulen, sind für mich die Möglichkeiten mit dem Druck umzugehen. Wie gehtst du mit dem Druck um?

Ich gehe noch halbtags arbeiten. Dies ist in seinen "Phasen" der beste Ausgleich für mich.

Ich habe eine eigene Wohnung. Die ist im selben Haus wie seine (also nicht weit genug weg). Aber ich nutze sie zu selten. Ab und zu, wenn ich zu belastet bin, flüchte ich dann in meine Wohnung und genieße die Ruhe. Aber ich habe Angst, wenn ich mir zu lange eine Auszeit nehme, dass er dann wieder "komische" Sachen macht, durch die wir Ärger bekommen. Also gehe ich oft nur eine halbe Stunde in meine Wohnung, was eigentlich viel zu wenig ist.
Wohnt ihr in einer gemeinsamen Wohnung? Hast du einen Zufluchtsort?

Die Therapeutin, bei der ich war, hat mir empfohlen, mehr von ihm zu fordern und ihn unter Druck zu setzen. Aber das ist nicht mein Ding. Auch hat sie mir vorgeschlagen, betreutes Wohnen für ihn zu veranlassen. Aber auch das kann ich nicht, weil ich wüßte, wie sehr er darunter leiden würde. Weil die Therapeutin mir nicht richtig weiter helfen konnte, habe ich die Therapie abgebrochen (offiziell unterbrochen). Die Theraie habe ich vor einem Jahr begonnen, damit ich lerne, mich besser abzugrenzen. Aber wie das gehen soll, weiß ich immer noch nicht.
So viele Leute sagen mir "Denk an dich!" Aber ich weiß nicht, wie ich das tun soll; jedenfalls in ausreichenden Maße.
Hast du es auch schon mal mit Therapie versucht?

Ich weiß nicht, wer mir helfen oder raten könnte!

Ich bin einfach nur froh, dass ich meine Arbeit habe. Er akzeptiert, dass sie wichtig für mich ist und wenn ich dann zur Arbeit gehe, akzeptiert er das auch. wie ist das bei dir?

Ich habe auch das Problem, dass ich nicht weiß, wem ich mein Herz ausschütten soll. Ich habe schon in meiner Not bei der Telefonseelsorge angerufen. Unsere gemeinsamen Freunde und seine Kinder will ich nicht anrufen. Und meine Mutter und meine Schwester will ich nicht belasten. Auch meine alte Schulfreundin hat genug eigene Problem. Letzens habe ich in meiner Not seine Mutter angerufe. Aber die kann mir auch nicht helfen. Geht dir das auch so?


Viele liebe Grüße und viel Kraft. Jule68
 
letzte Hoffnung
Hallo Sara,

ich bin ganz neu hier und habe gerade deinen Bericht gelesen.

Meine Frau leidet schon viele Jahre an einer Psychose (Schizophrenie).
Das Verhalten deines Mannes ist ganz typisch für diese Krankheit.

Das haben dir aber sicherlich schone viele andere erzählt.

Was ich dir eigentlich berichten wollte, ist das meine Frau früher Lyogen als Depotspritze bekommen hat. Da es meiner Frau viele Jahre sehr gut damit ging haben wir das Medikamt immer weiter reduziert. Leider zu weit. Während des Rückfalls hat der Arzt dann auf Risperdal umgestellt. Risperdal hat meiner Frau nicht geholfen. Erst während 2 Krankenhausaufenthalten und unserer Bitte wieder auf Lyogen (bzw. neuer Name Fluphenazin)umzustellen geht es meiner Frau wieder besser.
Vor allem die Tatsache dass das Medikament als Depotspritze verabreicht werden kann hilft schon ungemein, man muss nicht immer an das Einnehmen der Tabletten denken.

Selbstverständlich bin ich kein Arzt, aber vielleicht kannst du mit dem behandelten Arzt ja mal darüber reden.

Ich hoffe ich konnte dir damit etwas helfen.

Viele Grüße von letze Hoffnung
 
Sara
letzte Hoffnung schrieb:
Hallo Sara,

ich bin ganz neu hier und habe gerade deinen Bericht gelesen.

Meine Frau leidet schon viele Jahre an einer Psychose (Schizophrenie).
Das Verhalten deines Mannes ist ganz typisch für diese Krankheit.

Das haben dir aber sicherlich schone viele andere erzählt.

Was ich dir eigentlich berichten wollte, ist das meine Frau früher Lyogen als Depotspritze bekommen hat. Da es meiner Frau viele Jahre sehr gut damit ging haben wir das Medikamt immer weiter reduziert. Leider zu weit. Während des Rückfalls hat der Arzt dann auf Risperdal umgestellt. Risperdal hat meiner Frau nicht geholfen. Erst während 2 Krankenhausaufenthalten und unserer Bitte wieder auf Lyogen (bzw. neuer Name Fluphenazin)umzustellen geht es meiner Frau wieder besser.
Vor allem die Tatsache dass das Medikament als Depotspritze verabreicht werden kann hilft schon ungemein, man muss nicht immer an das Einnehmen der Tabletten denken.

Selbstverständlich bin ich kein Arzt, aber vielleicht kannst du mit dem behandelten Arzt ja mal darüber reden.

Ich hoffe ich konnte dir damit etwas helfen.

Viele Grüße von letze Hoffnung
 
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