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Verlauf der Schizophrenie
Erläuterung
Der individuelle Verlauf einer schizophrenen Erkrankung ist kaum vorhersehbar und hängt von einer Vielzahl biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren ab.

Wer zum ersten Mal wegen einer Schizophrenie, einer schizoaffektiven Krankheit oder einer akuten Wahnkrankheit behandelt wird, hofft verständlicherweise, dass die Krankheit nie wieder auftritt. Diese Hoffnung geht manchmal in Erfüllung. Langzeitstudien über den Krankheitsverlauf haben schon vor zwanzig Jahren Ergebnisse gezeigt, die den Vorurteilen über den negativen Verlauf einer Schizophrenie völlig widersprechen. 30 bis 50 Prozent der Patienten bleiben innerhalb des darauffolgenden Jahres und 20 bis 30 Prozent für den Rest des Lebens gesund, auch wenn sie nach ein bis zwei Jahren keine Neuroleptika mehr zur Vorbeugung einnehmen. Wenn die Krankheit zum zweiten mal aufgetreten ist, muss allerdings mit weiteren Krankheitsphasen gerechnet werden. Ohne Behandlung erkranken nach einem Jahr 70 bis 80 Prozent, nach zwei Jahren 90 Prozent der Patienten.
Das bedeutet, dass eine Schizophrenie nach der zweiten Krankheitsphase nur selten vollständig verschwindet. Fast alle Patienten, die zweimal erkrankt sind, müssen sich auf ein Leben mit der Krankheit einstellen.
Akute Schizophrenien lassen sich durch Neuroleptika und eine der Krankheit angepasste Lebensweise bei vielen Patienten vermeiden. Die Wahrscheinlichkeit einer Wiedererkrankung kann auf 15 bis 20 Prozent im ersten Jahr gesenkt werden. Zudem verlaufen Krankheitsphasen, die trotz der Behandlung mit Neuroleptika auftreten, in der Regel kürzer und mit weniger schweren Symptomen. Insofern wird der Verlauf der Krankheit durch die Behandlung günstig beeinflusst.
Trotzdem ist das Leben mit der Krankheit oft nicht einfach. Zwischen den akuten Phasen kann ein Patient mehr oder weniger schwer beeinträchtigt sein: Die Gefühle sind weniger intensiv, enge Kontakte mit anderen Menschen sind anstrengender als vor Beginn der Erkrankung. Es fällt den Patienten schwerer, sich über längere Zeit zu konzentrieren und körperliche oder psychische Belastungen auszuhalten. Diese Symptome werden unter der Bezeichnung "Negativsymptome" zusammengefasst.

Bei Rückschlägen den Mut nicht verlieren!

Negativsymptome können auch Ausdruck einer tiefergreifenden Mut- und Hoffnungslosigkeit sein, in die jemand fällt, wenn er unerwartet erneut erkrankt. Hier sind Gespräche wichtig. Auch der Umgang mit Frühwarnzeichen will gelernt sein und braucht Zeit. Rückschläge können dazu dienen, den neuen Umgangsstil mit sich selbst zu lernen.

Die Negativsymptome können im Sinne einer fast unmerklich eintretenden Persönlichkeitsveränderung schon im Vorfeld der akuten Erkrankung entstehen oder sich erst im Verlauf der Krankheit entwickeln. Sie bessern sich in der Regel im Zuge der Behandlung, allerdings geschieht dies nicht so rasch wie bei den Akutsymptomen. Fasst man Schizophrenien, schizoaffektive Krankheiten und kurzdauernde akute Wahnkrankheiten zusammen, bilden sich die Negativsymptome im Lauf der Zeit bei etwa 20 bis 25 Prozent der Patienten vollständig zurück. Bei 50 bis 65 Prozent der Patienten bleiben leichte bis mittelschwere Symptome zurück. Krankheitsverläufe, bei denen sich das Befinden und die Leistungsfähigkeit des Patienten zunehmend verschlechtern, sind glücklicherweise sehr selten.
Mehrere internationale Studien konnten nachweisen, dass eine frühzeitig einsetzende medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung es ermöglicht, die Dauer der akuten Krankheitserscheinungen erheblich zu verkürzen und ein Wiederauftreten der akuten Psychose zu verhindern.
Bei fast jeder neuen Krankheitsphase treten auch Negativsymptome auf, die den Patienten unter Umständen längerfristig beeinträchtigen. Insbesondere die Aufklärung über die Erkrankung für Patienten und Angehörige, das Lernen und Beachten von Frühwarnzeichen und das Einüben eines erfolgreicheren Umgangs mit Stress und Belastungen sind Teil einer vorbeugenden Behandlung und damit der beste Schutz vor einem ungünstigen Krankheitsverlauf.


Quelle:

Hexal-Ratgeber Gesundheit
Psychosen

ISBN 3-576-10775-4
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