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Wenn das „Gerüst“ bröckelt
Wenn das „Gerüst“ bröckelt

Hallo Leute,

letzten Sonntag feierten mein Onkel und meine Tante ihre goldene Hochzeit. So weit so gut, nur mein Onkel hatte vor kurzem seinen zweiten Schlaganfall, ist Diabetiker und leidet an Demenz. Nach seinem zweiten Schlaganfall wurde mein Onkel in einer neurologischen Fachklinik behandelt, dort hat er sich auch noch eine Lungenentzündung zugezogen. Davon war auf der Feier selbst nicht viel zu merken. Trotzdessen war die Feier sehr emotional für mich, da mir meine Tante Fotos von meiner Einschulung vor 30 Jahren gab, die ich noch nicht kannte. Angesichts des Gesundheitszustands meines Onkels bin ich mir nun nicht sicher, ob ich letzten Sonntag meinen Onkel eventuell zum letzten Mal gesehen haben könnte, vielleicht auch meine Tante. Sie ist auch Diabetikerin und nicht mehr gut zu Fuß. Meiner Meinung nach hätte sie eigentlich auch noch später die Möglichkeit gehabt mir die Fotos zu geben, da sie in unmittelbarer Nähe zu mir und meinen Eltern lebt. Meine Angst ist nun, dass eventuell zwei geliebte Menschen aus meiner Familie sich verabschieden.

Das allein ist noch nicht alles was mein „Gerüst“ bröckeln lässt.

Eine andere Tante von mir ist ebenfalls an Demenz erkrankt. Sie meinte auf der Feier zu mir „Andreas, wann gründest du deine Familie?“, worauf ich antwortete „Da musst du dir etwas Mühe geben, wenn du das noch miterleben möchtest.“. Ich muss dazu sagen sie ist knapp 82 Jahre alt. Ihr Mann ist letztes Jahr im Mai verstorben.

Im Prinzip begleitet mich der Tod in meiner Familie von Kindheit an. Kurz vor meiner Einschulung ist meine Oma väterlicherseits verstorben. Quasi kurz bevor ein neuer Lebensabschnitt für mich begann. Eine Tante ist kurz nach dem Anfang meiner Ausbildung verstorben. Meine Oma mütterlicherseits ist kurz vor dem Abschluss meiner Ausbildung verstorben. Mein Onkel, der letztes Jahr verstarb, verabschiedete sich aus meiner Familie als ich anfing mich wieder „aufzurappeln“ und „aufblühte“. Nun eventuell mein Onkel und meine Tante. Ich werde das Gefühl nicht los, dass immer wenn etwas Neues für mich anfängt, sich ein Familienmitglied vom Leben verabschiedet.

Dies ist ein Problem, wenn man wie ich, in eine „alte“ Familie hineingeboren wird.

Bislang bildete quasi meine Familie das „Gerüst“ worauf sich mein Leben aufbaute und genau dieses Gerüst bröckelt unter mir auseinander. Meine Familie gab mir bislang den nötigen Halt, damit ich mich „austesten“ konnte, sie hat mir die nötige Sicherheit geboten. Diese Sicherheit fällt langsam, aber Zusehens weg. Dies stellt eine neue Herausforderung für mich dar. Dieser Herausforderung muss ich mich stellen, ob ich möchte oder nicht. Dieser Herausforderung steht jeder Mensch irgendwann gegenüber und ich bin mir sehr sicher, dass ich diese Aufgabe meistern werde. Dabei hilft mir ein Traum, den ich letztes Jahr hatte und der anfängt Realität zu werden.

In diesem Sinne, fangt rechtzeitig an ein selbständiges Leben zu führen. Unabhängig von Euren Familien, denn niemand ist unsterblich.

Mit besten Wünschen und schönen Grüßen
Andreas Liebke
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