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Pendeln zwischen Segen und Fluch
Mario Tomaschek aus Engelhartszell ist schizophren. Seine Krankheit, über die es mehr Mythen als Erkenntnisse gibt, lässt sein Leben acht Jahre lang zwischen Segen und Fluch pendeln. Den Weg in die Schizophrenie hat er sich mit einem Buch von der Seele geschrieben.

OÖN: Sie schreiben, Sie wären durch die Hölle gegangen. Können Sie den Beginn des Abstiegs schildern?

Tomaschek: Der Einstieg war schleichend. Es war auf einem Spaziergang, als ich bemerkte, dass etwas zu mir gesprochen hat. Wie ein lauter Gedanke, der sagte: „Sie wird gehen.“ Jedenfalls verstarb meine Mutter sechs Monate später. Trotzdem hab’ ich die Stimme nicht wahrhaben wollen. Aber ab dem Zeitpunkt hat sich die Welt für mich anders angefühlt. Ich bin zum Beispiel im Bett gelegen und hatte einen Puls von über 200. Im Krankenhaus hat man mir gesagt, das dürfte eine Panikattacke gewesen sein. Durch Zufall habe ich einen Therapeuten gefunden, der mir gesagt hat, das seien psychische Symptome.

OÖN: Haben Sie die Stimme dann öfter gehört?

Tomaschek: Immer häufiger. Erst einmal in der Woche, dann wurde es immer schlimmer.

OÖN: Wie interpretierten Sie die Stimme?

Tomaschek: Am Anfang habe ich sie als Über-Ich bezeichnet. Etwas, das aus mir zu mir spricht. In der tiefenpsychologischen Therapie wurde mir gesagt, dass es noch schlimmer kommen werde. Das konnte ich mir nicht vorstellen, aber ich war später nicht mehr fähig, meinen Alltag zu bewältigen. Ich war körperlich total am Ende. Als ob ich durch ein enges Tal gegangen wäre. Ich war an einem Punkt angekommen, wo ich mit meinen Urängsten in Kontakt kam, ich war fast nicht mehr überlebensfähig.

OÖN: Was waren das für Urängste?

Tomaschek: Todesängste – Fragen wie: „Was ist, wenn mein kleines Leben vorbei ist?“ Dann ist es stufenweise bergauf gegangen. Als ob ich mich gereinigt hätte. Später habe ich Zug um Zug verstanden, wie ich mit der Stimme hantieren muss. Das ist super gelaufen. Ich war in allen Vereinen eingebunden und hatte es super lustig. Dann ist der nächste psychische Schlag gekommen. Ich bin in eine Beziehung mit einer Frau eingestiegen, die psychisch sehr belastend war. Wir haben uns später getrennt, und dann ist es radikal bergab gegangen. Ich bin immer tiefer hineingerutscht.

OÖN: Wohin?

Tomaschek: In eine Zwischenwelt. Mit einem Fuß stand ich in der Realität, mit dem anderen in einer Welt voll seltsamer Eindrücke – eine verwischte Welt. Ein Beispiel: Ich war auf einer Feier und wollte auf die Toilette gehen. Plötzlich hatte ich das Gefühl, nicht mehr weitergehen zu können. Vor mir hatte sich eine Mauer aufgebaut, obwohl da keine war. Das Eigenartige daran: Zwei Jahre später stand an dieser Stelle eine Windfangtür. Alles hat sich vermischt. Die Realität ist zum Wahn geworden, dann zum Wahnsinn und später wieder zum Sinn. Mit dem habe ich schwer zu kämpfen gehabt. Bis hin zu einer Ich-Störung.

OÖN: Wie darf man sich die vorstellen?

Tomaschek: Ich hab’ zum Beispiel jemandem die Hand gegeben und einen elektrischen Schlag empfunden. Dadurch kristallisierte sich heraus, dass ich gegenüber der Gesellschaft anders bin. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen. Bin aus der Gesellschaft herausgerutscht wie aus der realen Welt.

OÖN: Hatte diese Zwischenwelt auch etwas Anziehendes?

Tomaschek: Am Anfang war sie verlockend. Es war ein Spiel mit mir selber: Wie kann ich mich dadurch entwickeln, reifer werden? Vielleicht wachse ich als Persönlichkeit daran? Ich war sogar motiviert, weil ich dachte, ich könnte durch die Nutzung der Zwischenwelt etwas erreichen in meinem Leben. Ich glaubte, ich müsste das Tal der Tränen durchschreiten, bis das Positive in mein Leben kommt.

OÖN: Wie und wann haben Sie bemerkt, dass das ein Irrweg ist?

Tomaschek: Dass ich auf dem Irrweg war, habe ich erkannt, als ich mir die Frage stellte: „Bin ich ein Auserwählter oder keiner?“ Ich merkte, da stimmt etwas nicht. Denn ich bin niemand anders als der Mario Tomaschek. Aber mir sind Sachen passiert, die nicht normal sind, etwa, dass mich ein imaginierter Blitz getroffen hat. Der Wahn ist bis hin zum Erleben meiner Wiedergeburt gegangen. Die Zwischenwelt hat eine Eigendynamik angenommen, und ich habe mich nicht mehr selbst befreien können.

OÖN: Gab es im Übergang zwischen realer Welt und Zwischenwelt so etwas wie Türen, durch die Sie bewusst zwischen den Welten wechseln konnten?

Tomaschek: Am Anfang gab es Stufen, auf denen ich in die Realität zurückgehen konnte. Später bin ich immer tiefer abgerutscht, habe richtige Denkausbrüche gehabt. Da sind mir Sachen eingegeben worden, die unbegreifbar waren, Dinge, die ein Jahr später passiert sind, Visionen. In Wirklichkeit war ich über sieben Jahre ein Zuschauer meiner selbst. Am Schluss war ich in der Zwischenwelt wie eingesperrt. Ich fand keinen Ausweg mehr. Da habe ich es wieder mit der Angst gekriegt.

OÖN: Wie geht es Ihnen, wenn Sie nunmehr mit zeitlicher Distanz über die Zwischenwelt sprechen?

Tomaschek: Ich behandle die Zeit der Zwischenwelt mit Abstand. So als hätte mir jemand diese Geschichte erzählt. Aber ich weiß, dass ich mittendrin stehe. Nicht mehr in der Psychose, sondern mit beiden Beinen am Boden. Das Buch hat mir viel Abstand gegeben.

OÖN: Wie kam es zu dem Tag, an dem Sie in die Psychiatrie gingen?

Tomaschek: Ich bin so massiv realitätsverlustig geworden, war so wirr und konnte keinen Satz mehr richtig hervorbringen, dass meine Stiefmutter die Einweisung in die Psychiatrie veranlasst hat.

OÖN: Dort bekamen Sie Medikamente …

Tomaschek: Ich bin auf Neuroleptika eingestellt worden, die haben aber anfänglich nichts gebracht. Über drei Jahre habe ich immer wieder Arbeit gesucht, musste aber immer wieder ins Krankenhaus und so weiter. Die Besserung hat erst dann begonnen, als ich aus dem Haus meiner Eltern ausgezogen bin.

OÖN: Gab es bei Ihnen einen Punkt, analog zum Film „A beautiful mind“, an dem Sie sich bewusst entschieden haben, der Zwischenwelt ade zu sagen?

Tomaschek: Den hat es gegeben. Eines Tages bin ich wieder in die Psychiatrie eingeliefert worden. Ich habe in mir so verrückt gespielt, gedanklich einen Film gedreht, dass ich mir sagte: „Mario, wenn du jetzt nichts unternimmst, ist zusammengeräumt.“ Ich habe die Medikamente beibehalten, die Ernährung umgestellt, auf das Abendbier verzichtet und zu sporteln begonnen.

OÖN: Wie gestaltete sich der Weg zurück in die Realität?

Tomaschek: Ich hatte das Riesenproblem, die Wahn-Erlebnisse noch im Kopf zu haben. Eine Freundin hat gemeint, meine Geschichte sei so abgründig, dass ich sie aufschreiben sollte. Ich habe mich hingesetzt und habe sie mir von der Seele geschrieben. Es fühlte sich an, als hätte ich die Erlebnisse in einem Aktenschrank abgelegt. Aber man kann nicht generell sagen, man nimmt einen Schlüssel und geht durch die Tür in die Realität.

OÖN: Was hat die Realität der Zwischenwelt voraus?

Tomaschek: Das Schöne heute ist: Ich darf Zufälle wieder erleben. Die gab es vorher nicht mehr, alles war nur noch Vision, Déjà-vu und Vorprogrammierung.

OÖN: Wie geht es weiter? Werden auch künftig psychotische Schübe auftreten?

Tomaschek: Damit ist zu rechnen. Aber je öfter ich sie erlebe, desto mehr Erfahrung bekomme ich mit ihnen. Ich spüre sie kommen und kann mich immer schneller von den Episoden erholen. Und: Ich habe keine Angst mehr davor. Sollte mir jemand sagen: „Morgen bist du wieder in der Psychiatrie“, antworte ich: „Na und? Übermorgen gehe ich wieder heraus.“

OÖN: Wie ist Ihnen Ihr gesellschaftliches Umfeld im Laufe Ihrer Krankheitsgeschichte begegnet? Ablehnend, oder doch unterstützend?

Tomaschek: Ich muss einen großen Dank an die Engelhartszeller aussprechen. Als meine Krankheit aufgekommen ist, waren die meisten doch schockiert, manche haben sich wohl auch ein wenig gefürchtet, aber sie haben mich alle wieder aufstehen lassen. Für den Sportlerball wurde ich gebeten, bei einer Einlage mitzumachen, und dabei hat mir die ganze Engelhartszeller Gesellschaft gezeigt: Mario, du hast es zurück geschafft.

Quelle: http://www.nachrichten.at
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floquadrat , 10.12.2010 03:00:48

Es ist keine Krankheit, es ist ein Zeichen der Zeit.
Genauso wie die 100.000 Jahre alten Nano-schrauben aus der wüste, die tempel der maia usw usw.

Es gibt intelligentes leben im All. dieses Leben hat uns gesagt "ich bin gott, und allwissend und allmächtig, Euch habe ich nach meinem Ebenbild erschaffen".

Wir sind eine Junge spezies, auf einem Jungen planeten, auf einem geringen wissensstand, auf dem weg zur wahrer größe.

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