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Grenzgänger zwischen Extremen
Borderline
Grenzgänger zwischen Extremen
Borderliner leben in einer Welt der Extreme. Ihre Gefühle wechseln in Minuten zwischen Liebe und Hass, Euphorie und Depression, Selbstzweifeln und Selbstüberschätzung.


Wenn Katja R. das Haus verlässt, trägt sie ein Gummiband um ihr Armgelenk. Spürt sie, dass ihre innere Anspannung zunimmt und es ihr schlechter geht, lässt sie es auf die Haut schnalzen – so lange, bis der Schmerz sie zurück ins Leben holt und sie ihre Emotionen wieder im Griff hat. Lange Jahre ließ der Druck erst nach, wenn Blut aus den tiefen Schnittwunden floss, die sie sich selbst zufügte. Es dauerte ein Jahrzehnt voller Höhen und Tiefen, Klinikaufenthalten und Therapieabbrüchen, Fortschritten und Rückschlägen, engen Beziehungen und heftigen Zurückweisungen, bis die heute 26-Jährige einigermaßen gelernt hatte, ihre Gefühle mit solch harmlosen Mitteln zu kontrollieren.

„15-mal kotzen am Tag war normal“

Wegen einer Essstörung schickten ihre Eltern den immer schmaler werdenden Teenager in Behandlung. „15-mal kotzen am Tag war damals normal“, erinnert sie sich heute. Als später auch Selbstverletzungen, Suizidgedanken und -versuche hinzukamen, kamen die Therapeuten auf die richtige Spur. Vier Jahre nach Therapiebeginn fiel erstmals die richtige Diagnose. „Meine Therapeutin hat mir damals ein Buch über Borderline gegeben. Ich habe mich richtig erschrocken: Es war über mich. Zum ersten Mal habe ich mich verstanden gefühlt.“

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist die am häufigsten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung überhaupt. Sie zeigt sich durch ein gestörtes Beziehungsmuster, aggressives Verhalten sich selbst und anderen gegenüber, aber auch durch ein exzessives oder riskantes Verhalten, beispielsweise was Drogen oder Alkohol, aber auch Sex, Ausgaben oder gefährliche Hobbys anbelangt. Schätzungen, wie viele Menschen betroffen sind, sind schwierig. „Bei Persönlichkeitsstörungen hat jemand eine Charaktereigenschaft, die jeder von uns in sich trägt, in einer besonders starken Ausprägung“, erklärt der Münchner Psychiater Michael Rentrop vom Klinikum Rechts der Isar, der sich auf die Therapie der BPS spezialisiert hat. Dafür, ab wann Charakterzüge krankhaft sind, gibt es keine klar gezogenen Grenzen. Viele Betroffene mit milderen Formen begeben sich niemals in Behandlung. Die meisten Untersuchungen geben jedoch Werte zwischen einem und zwei Prozent Betroffene innerhalb der Bevölkerung an. Jeder fünfte stationär in die Psychiatrie aufgenommene Patient zeigt Symptome der Erkrankung. 70 bis 75 Prozent von ihnen sind Frauen – ob das der Realität entspricht oder Frauen sich häufiger Hilfe suchen, ist umstritten.

Männer landen im Knast, Frauen in der Klinik

Weil eine gestörte Impulskontrolle eines der Symptome der BPS ist, landen männliche Borderliner möglicherweise eher im Gefängnis als in der Psychiatrie, wenn sie ihre Aggressionen nicht nur gegen sich, sondern auch nach außen richten. Weibliche Betroffene schaden mit riskantem Verhalten häufiger sich selbst als anderen.

Quelle: http://www.focus.de
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