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Selbstbestimmtes Leben – Individualität
Selbstbestimmtes Leben – Individualität
Berlin, 22.04.2008 19:33
Liebe Leserin, lieber Leser,

in diesem Artikel geht es mehr um die Gesellschaft und das nicht mehr mögliche selbstbestimmte Leben und die fehlende Individualität in unserer Gesellschaft.

Zum Thema selbstbestimmtes Leben und Individualität:

Erst mal zur Frage „Was verstehe ich unter selbstbestimmtes Leben und Individualität?“.
Selbstbestimmtes Leben ist für mich ein Leben das ich für mich selbst bestimme. Ich bilde mir eine eigene Meinung, ich bin unabhängig, ich verhalte mich so wie ich es für richtig halte, ich kleide mich so wie ich es möchte, die Möglichkeiten sind noch weiter ausführbar. Ein Projekt das ich hier noch erwähnen möchte ist die Anti-Stigma Kampagne „verrückt, na und?“. Aus diesen Punkten besteht zum Beispiel auch die Individualität. Der Begriff Individualität kommt ja von Individuum, sprich Vielfalt. Unsere Natur bietet uns ein reichhaltiges Angebot an Individualität. So sind auch wir Menschen Individuen, quasi vielfältig, mit vielen verschiedenen Eigenschaften. Angefangen von unserem äußeren bis hin zu unserem inneren Wesen, mit allen Ecken und Kanten, schönem und weniger schönem.

Politik:

Das von unseren Politikern so gelobte und propagierte „selbstbestimmte Leben“ ist dank unserer Politiker, Medien und der Wirtschaft leider nicht mehr möglich. Ja, auch dank unserer Politiker, denn auch sie beeinflussen unsere Gesellschaft, sei es durch diverse Vorurteile oder verfremdete Ansichten und Meinungen die sie unters Volk bringen und somit Minderheiten diskriminieren und unsere Gesellschaft beeinflussen. Nur ein Beispiel, wie oft höre oder lese ich Berichte von Politikern, wo sie von Schizophrenie reden, „Die Schizophrenie des Staates“ und so weiter. Dies nur als Beispiel für den Missbrauch einer psychiatrischen Diagnose. Weiterhin beeinflussen unsere Politiker unsere Meinung und unser Denken über unser Sicherheitsempfinden gezielt dahin, dass wir überall und immer mit terroristischen Anschlägen zu rechnen haben. Dieses Denken erreichen Sie durch die immer weitergreifenden und vertiefenden Sicherheitsmaßnahmen auf unseren Flughäfen, Bahnhöfen und Straßen. Dies führt letztendlich zum totalen Überwachungsstaat den wir Bürger mit immer höheren Steuern und Abgaben zu bezahlen haben. Da dies aber aufgrund mangelhafter oder noch nicht vorhandener Technik recht schwierig zu bewerkstelligen sein dürfte ist wohl jedem klar. Zumal es sowas wie „absolute Sicherheit“ niemals geben wird, wer jemandem etwas antun möchte findet immer einen Weg dies zu tun. Daher ist das Vorhaben unserer Regierung absolut fehl am Platz und verunsichert die Bevölkerung mehr als sie ihr nutzt. Weiterhin sind diese Maßnahmen für psychisch labile Menschen der absolute Horror. Wenn ich mich mal als Beispiel nenne, bei mir wurde eine paranoide Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis diagnostiziert. Dies bedeutet quasi Verfolgungswahn. Glücklicherweise habe ich diese Gedanken nicht mehr in dieser Intensität dass sie mir Angst machen. Ich bin da aber mit Sicherheit eine Ausnahme. Wie viele psychisch Kranke mit Verfolgungswahn leben neben mir noch in unserem Land die wesentlich massivere Probleme mit ihrer Krankheit haben? Für genau diese Menschen sind diese „Sicherheitsmaßnahmen“ eine Qual. Sie trauen sich nicht mehr in Bahnhöfe oder auf öffentliche Plätze, weil sie denken vom Staat beobachtet zu werden. Auch deshalb ist es dringend erforderlich aufzuklären und dieses Handeln zu beenden.

Medien:

Nun zu den Medien, meinen speziellen „Freunden“. Unsere Medien beeinflussen unsere Gesellschaft derartig, dass man das Gefühl haben muss sie bestimmen was wir für schön und angenehm, was wir für schlecht und bedrohlich zu halten haben. Die Medien bestimmen quasi unsere Meinung.
Als erstes Beispiel nehme ich mal unseren Eisbären „Knut“. Dieses Tier war über Monate Hauptbestandteil in unserer Medienlandschaft. In den Medien wurde propagiert „Seht Euch das arme kleine Wesen an, dass von seiner Mutter verstoßen wurde.“, „Ist er nicht süß in seiner Art?“. Und die Gesellschaft war den Medien hörig und viele waren auf einmal in einer Art „Rausch“ und wollten unbedingt zum „Berliner Zoo“ um den Eisbären „Knut“ zu sehen. Es gab auch zahlreiche Menschen die sich haben derart anstecken lassen, dass sie sich sogar Stofftiere von „Knut“ gekauft haben. Der Höhepunkt dieser Beeinflussung war dann noch das Lied das zu Ehren des Eisbären geschrieben wurde. Mir wurde mit dieser Meinungsbildung durch die Medien klar wie beeinflussbar und „hörig“ die Gesellschaft gegenüber den Medien ist. Dies nur als Beispiel dafür was wir für angenehm und schön zu halten haben. Nun aber mal zum Gegenteil, dazu was wir für schlecht und bedrohlich zu halten haben. Da fällt mir als Schizophrenie-Betroffener genau dieses Thema ein. Zu oft lese ich in den Berichten der Medien wie grausam oder bedrohlich wir seien, bis hin zur Meinungsbildung wir seien „Monster“ und das genau für „Monster“ die Psychiatrie da sei. Dies war kürzlich in einem Artikel in der Bild zu lesen. Dadurch wird natürlich von den Medien in der Gesellschaft das Vorurteil geschürt „Mit jemandem aus der Psychiatrie will ich nichts zu tun haben, denn der ist gefährlich.“. Im Grunde wird dadurch die Euthanasie die in der Zeit des National Sozialismus praktiziert wurde auch noch heute weitergeführt. Um Missverständnisse auszuräumen, ich möchte die heutige Gesellschaft nicht mit der des National Sozialismus vergleichen, aber es sind ähnliche Tendenzen zu erkennen. Jeder in der Medienlandschaft, Politik oder Wirtschaft distanziert sich von solchem Gedankengut, aber niemand handelt meiner Meinung nach danach und genau dieser Missstand macht mir Angst und ist ein sehr großer Grund dafür, warum sich so wenige Menschen mit psychischen Belastungen und Erkrankungen mit ihren Problemen an die Öffentlichkeit wagen. Diese und ähnliche Artikel und Berichte in den Medien sind es, die das Leben psychisch kranker Menschen so unglaublich schwer machen. Nicht nur das Leben der Betroffenen selbst wird dadurch zur Hölle gemacht, auch das Leben der Angehörigen wird dadurch zur Hölle gemacht. Ich als selbst Betroffener bin in der Akutphase meiner Schizophrenie schon mal durch die Hölle gegangen. Aber dies wird in der Gesellschaft so nicht akzeptiert, da die Berichterstattung der Medien darauf nicht eingeht. Meiner Meinung nach werden zu wenige Artikel in den Medien veröffentlicht die den positiven Aspekt psychischer Krankheiten widerspiegelt. Wenn sich denn doch mal Berichte in den Medien über psychische Krankheiten finden lassen, dann entweder in Medien die die breite Bevölkerung nicht empfangen kann, oder aber zu Uhrzeiten, ich spreche von TV-Medien, wo ein gesunder Mensch schläft. Berichte in den Print-Medien zu diesem Thema sind eher auf den hinteren Seiten zu finden und nur ganz klein geschrieben. Meiner Meinung nach fehlt es massiv an Aufklärung der Gesellschaft gegenüber psychischen Krankheiten. Auch die Medien sollten ihr Verhalten diesbezüglich dringend ändern um der Stigmatisierung und der Vorurteilsbildung in der Gesellschaft entgegen zu wirken.

Wirtschaft:

Zum Schluss kommen wir zur Individualität, die uns die Wirtschaft eigentlich absprechen und widerspenstig machen möchte.
In den Augen der Wirtschaft sind wir doch nichts weiter als lediglich Konsumenten ihrer Waren. Ihre Waren allerdings sind alles andere als individuell, sprich vielfältig. Der Hang zur Uniformität wird in der Wirtschaft leider immer größer. Das ist in aller erster Linie an den Automobilen zu sehen. Am Anfang der Automobilen Karriere waren die Automobile noch einzigartig. Mit Zunahme der Industrialisierung der Automobil-Branche bis heute wurden sie leider immer uniformer. Mal ehrlich, gleicht in Euren Augen heute nicht ein Auto dem anderen? Nach dem Motto „Was du hast will ich auch haben.“ Werden heute Automobile produziert. Früher hatten Automobile ihre eigenen und herausragenden Eigenschaften, was die automobile Welt so vielfältig und interessant machte. Heute ist es leider nur noch so, dass selbst bei der Technik in den Fahrzeugen nur noch ein Hersteller für viele Automobil-Konzerne arbeitet. Das bedeutet so viel wie das die gleiche Technik in vielen verschiedenen Fahrzeugtypen verbaut wird und somit keine Individualität mehr möglich ist. Genau dasselbe Problem hat die Mode-Branche. Die Bekleidungsindustrie will Geld sparen, daher neigt sie zur Uniformität und die Gesellschaft spielt dabei brav mit. Nicht mehr der einzelne Mensch entscheidet für sich was er für schön hält sondern die Bekleidungsindustrie und der Handel bestimmen was wir für schön zu halten haben. Die Wirtschaft entwickelt so genannte „Trends“ wonach die Gesellschaft sich zu richten hat und die meisten spielen dabei brav mit. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass es sowas wie Individualität generell nicht mehr gibt, ich möchte damit nur sagen, dass die Individualität für die breite Bevölkerung ausgestorben ist. Denn Individualität hat leider ihren Preis. Somit ist die Individualität lediglich denjenigen in unserer Gesellschaft vorbehalten die sich die Individualität auch leisten können. Dabei sollte es eigentlich Ziel sein, Individualität für alle Menschen in der Bevölkerung möglich zu machen. Das würde bedeuten, dass es wesentlich mehr kleinere Unternehmen geben würde, statt so vieler riesiger Konzerne und Monopolisten. Dies würde wiederum die Vielfalt (Individualität) fördern und es gäbe mehr Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen und Produkten. Im Prinzip ist es momentan noch so, das eigentlich ein Mensch dem anderen, rein modisch, gleicht und das ein Auto einer Preisklasse dem anderen Auto gleicht. Dasselbe Phänomen gibt es in noch vielen anderen Branchen der Wirtschaft. Die Wirtschaft nennt das gern „Wiedererkennung“, aber ist es nicht eigentlich so, dass gerade Verpackungen sich einander sehr ähnlich sind? Da fällt es mir persönlich schwer einen Unterschied zwischen den einzelnen Herstellern zu finden. Meiner Meinung nach möchte die Wirtschaft unsere Gesellschaft uniform gestalten, sodass die Wirtschaft immer mehr Geld einspart und immer größere Gewinne macht. Für diesen Zweck hat die Wirtschaft den Begriff „Trend“ entwickelt und die Gesellschaft spielt wieder mal brav mit. Die Gesellschaft hat leider an Vielfalt verloren und die Konzerne freuen sich, dass sie „Trendsetter“ sind. In einem momentan aktuellen Werbe-Spot eines Mobiltelefon-Herstellers wird mit dem Spruch geworben „Früher haben wir auch gelebt, aber wie?“. Ich möchte nicht sagen, dass Entwicklung negativ ist, aber ist Entwicklung gleichzusetzen mit dem Verlust von Individualität, bzw. kann Entwicklung nur stattfinden wenn wir unsere Vielfalt vernachlässigen? Ich denke eher, dass Entwicklung gerade etwas mit Vielfalt zu tun hat und dass sich aus der Entwicklung heraus mehr Vielfalt bilden lässt. Wenn man die Natur als Vorbild nehmen möchte findet man gerade dort ein so reiches Vorkommen an Vielfalt. Es gibt so viele Arten von Lebewesen und in den einzelnen Arten gibt es wieder sehr viele verschiedene Unterkategorien und Arten. Dasselbe findet man auch in der Pflanzenwelt. Wenn die Natur gewollt hätte, dass alles gleich aussieht, hätten wir eine sehr langweilige Umwelt. Genau darauf steuern wir Menschen aber zu, indem wir uns vorschreiben lassen welche Produkte wir zu kaufen haben. Dabei fällt mir gerade der Spruch ein „Wohnst du noch, oder lebst du schon?“ von einem bekannten Möbelhaus und Wohnausstatter.

Fazit:

Wenn wir alle, egal ob Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft, uns nicht ändern und wieder lernen mehr auf die Bedürfnisse des einzelnen einzugehen wird die Menschheit nicht mehr lange existieren können. Bei der momentanen Situation, sollte sie so weitergeführt werden, kommt es zwangsläufig früher oder später zum Supergau und die Menschheit vernichtet sich selbst. Am Anfang der Selbstvernichtung stehen wir schon, aber noch haben wir die Möglichkeit die Situation zu ändern.

Andreas Liebke
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