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Patienten zeigen sich als Künstler
Patienten zeigen sich als Künstler

Von Bastian Klein

Printausgabe vom 12.07.2007


Niederrad. Beschwingt erklärt Claudia Mathalon ihre Bilder: Wild hat sie einige Blätter, die sie auf Waldwegen gesammelt hat, auf einer Leinwand angeordnet und in grellen aber geschmackvollen Farben gestaltet. Die Bilder wirken lebenslustig und fröhlich. Wer mit der quirligen Frau spricht, bekommt ihre ganze Energie zu spüren, die auch ihre Werke ausstrahlen. „Das künstlerische Arbeiten hilft mir, mich von dunklen Gedanken abzulenken“, sagt sie und erklärt weiter den Besuchern ihre Bilder.


Etwa eine Handvoll ihrer Werke hängt in der aktuellen Ausstellung in der Kaffeestube „Wunderlich“ im Zentrum für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Frankfurter Universitäts-Klinik. Das Ganze ist kostenlos zu sehen. Insgesamt zehn Maler haben sich daran beteiligt. Entstanden sind die Bilder allesamt in Therapiesitzungen von Ergotherapeut Jochen Dvoreck (33). „Bei dem Malen geht es mir darum, die künstlerischen Fähigkeiten meiner Klienten zu fördern.“ Einen therapeutischen Ansatz, der darüber hinaus geht, verfolge er allerdings nicht. „Jeder der Maler hat eine individuelle Bildsprache, da sollte man in die Arbeiten nicht allzu viel hinein interpretieren.“


Wobei teilweise sehr deutliche Symbole auf den Werken zu sehen sind. Beispielsweise das Bild einer langjährigen Patientin, die ein Selbstportrait gezeichnet hat. Dazu ist eine zweite Person in einem großen Herz auf der Leinwand zu sehen. „Daraus spricht natürlich ein Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit“, erklärt Jochen Dvoreck.


Wenn er auch keinen direkten Bezug zur Ergotherapie sieht, so verfolgt er aber mit der Ausstellung an sich einen konkreten Zweck. „Es geht darum, dass sich die Patienten einmal nicht als Menschen mit einer Krankheit erfahren, sondern als Künstler in ihrem Werk anerkannt werden. So erfahren sie, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird – ein sehr wichtiger Aspekt für jede Psyche.“


Und von künstlerischen Werken lässt sich ohne irgendwelche Abstriche sprechen – wenn auch die Maler aus persönlichen Gründen fast alle anonym bleiben möchten. So zeigen beispielsweise die Scherenschnitte eines Mannes sehr viel Liebe zum Detail und zur Präzession. Die Frauenbilder einer anderen Künstlerin scheinen hingegen direkt aus der Seele des Menschen zu sprechen. Ganz in Blau, mit leeren traurigen Augen hat sie ein fast kubistisch anmutendes Frauengesicht auf die Leinwand gebannt, das berührend schön und verstörend zugleich auf den Betrachter wirkt. Das Bild eines weiteren Malers hingegen spricht von einer fast transzendentaler Ruhe: Eine abstrakte Alpenlandschaft schlummert ganz friedlich im Winter. Der Vielfalt sind kaum Grenzen gesteckt. „Es entstehen in den Sitzungen so viele kreative und wertvolle Arbeiten, da wäre es doch schade, sie nicht zu zeigen.“


Deswegen will Jochen Dvoreck nach der ersten Ausstellung, die jetzt mit Erfolg gestartet ist, eine ganze Serie von Ausstellungen beginnen. „Einige könnten einem speziellen Maler gewidmet sein, andere unter einem speziellen Thema stehen. Wir sind erst am Anfang“, kündigt der Therapeut an. Und der war sehr vielversprechend.


Die Bilder sind bis Mitte September montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und sonntags zwischen 10 bis 12 Uhr in der Kaffeestube Wunderlich im Zentrum für Psychiatrie, Heinrich-Hoffmann-Straße 10, zu besichtigen.


Quelle: http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=3848506

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