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Neues Ziel in der Psychiatrie
Neues Ziel in der Psychiatrie


Weniger Zwangsmaßnahmen


In der Psychiatrie soll die Zahl der Zwangsmaßnahmen gegen Patienten möglichst abnehmen. "Das ist eine Zielstellung unseres Faches", sagte Thomas Kallert, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Leipziger Park-Krankenhauses in Dresden. Die Stadt ist Gastgeber einer bis Freitag andauernden, dreitägigen internationalen Konferenz zu Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie. Experten schätzen allein die Zahl der Zwangseinweisungen in deutsche Kliniken auf jährlich rund 60.000.


Als Zwangsmaßnahmen im psychiatrischen Sinn gelten neben Zwangseinweisungen von Patienten auch ihre Fixierung und die Medikation gegen ihren Willen. Laut Kallert, der die Konferenz von 400 Experten mitorganisiert hat, ist es die erste Zusammenkunft von Fachleuten zu Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie. Sie steht unter der Schirmherrschaft des Weltverbandes für Psychiatrie.


Zahlen vom April 2007 würden zeigen, dass der Anteil von Behandlungen mit Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie in Deutschland mit 15,8 Prozent (1991) und 14 Prozent (2003) relativ stabil geblieben sei. "Allerdings ist die Zahl der Zwangseinweisungen absolut gestiegen", sagte Kallert. Das hänge mit der gestiegenen Anzahl kürzerer Klinik-Aufenthalte zusammen sowie der zunehmenden Rate alter Menschen mit Demenz.


Besonders aus deutscher Sicht werde die Debatte emotional geführt, sagte Kallert. "Ein Grund dafür ist sicher das, was unter den Nazis mit psychisch Kranken und geistig Behinderten passierte." Auch in anderen Ländern sei die Psychiatrie missbraucht worden, "so in der früheren Sowjetunion, aktuell gibt es Diskussionen über China". Der Grat bei Zwangsmaßnahmen sei manchmal schmal. "Zwang impliziert Restriktionen, trotzdem steht dahinter ein Hilfs- und Therapieangebot." Früher hätten monate- oder gar jahrelange Klinik-Aufenthalte dazu geführt, dass Patienten sich ausgeliefert fühlten. "Heute sind sie meist zwischen drei und vier Wochen in stationärer Behandlung."


Quelle: http://www.n-tv.de/812378.html

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