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Artikel "Verrückt - na und?" (Beschreibung eines Projekttages an der Schule)
«Verrückt - na und?»


Depression, Sucht, Borderline-Syndrom, Phobien - psychische Erkrankungen gibt es viele. Doch auch wenn man immer wieder davon hört, weiß man über die wenigsten so richtig Bescheid. Um das zu ändern und den Umgang mit Betroffenen zu erleichtern, haben Psychologen jetzt ein Informationsprojekt für Schulklassen entwickelt, bei dem unsere Klasse heute als eine der ersten mitmachen durfte.

Dienstag 15.5.2007, Beginn der 1. Stunde. Alle sind mordsmäßig gespannt, was bei dem Projekt, das Herr Herman nur als „Verrückt - na und?“ angekündigt hatte, auf uns zukommen würde. Vorne an der Tafel stehen zwei Unbekannte, die erwartungsvoll in die Klasse blicken…
Doch nicht allzu lange. Schon stellt Herrn Hermann sie als Frau Link und Herr Dehner vor, zwei Psychologen vom Krisendienst Mittelfranken.
Gut 30 Minuten später ist es dann so weit: die Fragebögen zu Forschungszwecken sind ausgefüllt, Wünsche, Fragen und Erwartungen gesammelt (wobei die verschiedenen Papierfarben bestimmt irgendeine subtile Beeinflussung unserer Meinungen zur Folge hatten) und wir können mit dem eigentlichen Programm beginnen. Zuerst sollen wir aufzählen, welche psychischen Krankheiten wir kennen und bekommen grobe Überblicksinformationen dazu.
Auch erklären uns die Referenten, deren lockere Art keine Langeweile aufkommen lässt, dass jede psychische Erkrankung behandelbar ist - am besten durch eine Mischung aus Pharmazeutika, Psychotherapie und vor allem Selbsthilfe - jedoch rechtzeitig erkannt werden muss.
Einen erschütternden Eiblick ins Leben psychisch Kranker bekommen wir dann, als wir Ausschnitte aus der CD „Wenn die Seele überläuft“ anhören. Darauf erzählen betroffene Jugendliche von ihren Erfahrungen mit Bulimie, Schulangst und anderen Psychosen. Auf den ersten Blick alles ganz normale Menschen, denen man ihre Probleme viel zu lange nicht angemerkt hat und die deshalb immer weiter abrutschten, bis sie die Psychiatrie eingewiesen werden mussten, um zu lernen, wieder mit ihrem Leben zurechtzukommen.
Nach einer Gruppenarbeit erzählt uns Frau Link schließlich, dass sie selbst einmal unter dem Borderline Syndrom litt, was vorher keiner in der Klasse vermutet hätte. Bei dieser Psychose hat der Betroffene eine sehr schlechte Grundstimmung, fühlt sich ausgeschlossen, unverstanden und ungeliebt und versucht seine Probleme schließlich damit zu lösen, dass er sich selbst Schmerzen zufügt oder gar Selbstmordversuche unternimmt.
Frau Link versucht so gut wie möglich ihre Gefühle während der Erkrankung zu beschreiben, auch wenn diese kaum in Worte zu fassen sind, und beantwortet alle unsere Fragen. Außerdem schildert sie, wie sie es geschafft hat, wieder gesund zu werden und dass es ihr z.B. sehr geholfen hat, wenn andere ihr gezeigt haben, dass sie ihnen etwas wert ist.

Durch die Informationen und Erfahrungen dieses Tages haben wir wohl alle einen anderen Blickwinkel bekommen und wissen ein wenig besser, wie wir mit psychisch Kranken umgehen sollten. Und das war die Veranstaltung absolut wert, auch wenn manchen die sechs Stunden etwas zu lang vorkamen.

(Marc und Kerstin)

Professionelle Hilfe und weitere Informationen zu psychischen Erkrankungen findet ihr unter folgenden Adressen:
www.krisendienst-mittelfranken.de
www.borderlinetrialog.de
www.apk-nuernberg.de (Verein der Angehörigen psychisch Kranker)


Quelle: helga-online.de

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